Nahrungsmittelerzeugung

Gradmesser für die Ernährungssicherheit

Ölpalmen
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Freitag, 10.09.2021 - 08:03

Der Food Security Standard soll eine Aussage zur Konkurrenzsituation von Nahrungsmittel- und Agrarrohstoffproduktion liefern. Das ist vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern von Bedeutung.

Mit einer stärker biobasierten Wirtschaft steigt die Nachfrage nach Biomasse für Energie und Industrie. Laut der OECD-Leitprinzipien für nachhaltige landwirtschaftliche Lieferketten ist die Ernährungsunsicherheit eines der größten Risiken bei dieser Entwicklung.

Freiwillige Zertifizierungen für Exportgüter würden zwar bereits eine Vielzahl an ökologischen und sozialen Faktoren in den Erzeugerländern abdecken, allerdings habe sich bisher kein Standard ausreichend der Frage, ob die Produktion auf landwirtschaftlichen Betrieben im globalen Süden mit dem Menschenrecht auf Nahrung von Kleinbauern und -bäuerinnen und Landarbeiter/-innen sowie der umliegenden Gemeinden in Einklang steht, gewidmet.

Fokus auf ernährungsunsicheren Regionen in Afrika, Lateinamerika und Asien

In einem 4-jährigen Projekt haben Welthungerhilfe, WWF Deutschland und das Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn Kriterien und Indikatoren sowie die dazugehörigen Werkzeuge in Zusammenarbeit mit lokalen Produzenten und etablierten Zertifizierungssystemen (ISCC, RSPO, CmiA, UTZ/Rainforest Alliance) getestet. Der Fokus der Pilot-Audits lag besonders auf ernährungsunsicheren Regionen in Afrika, Lateinamerika und Asien.

Mit dem FSS lässt sich beispielsweise überprüfen, ob gesetzliche Vorgaben für Ernährungssicherheit eingehalten und Maßnahmen ergriffen werden, um den Menschen, die für das Unternehmen arbeiten, einen besseren Zugang zu angemessener Ernährung zu ermöglichen.

Vom Landwirtschaftsministerium gefördert

Beim FSS wird z. B. ebenfalls betrachtet, ob die Wasserrechte der umliegenden Gemeinde respektiert werden und Beschwerdemechanismen vorhanden sind. „Ein geeignetes Instrument, um zur Verwirklichung des Menschenrechts auf Nahrung beizutragen“, bestätigt auch Dr. Eva Ursula Müller, zuständige Abteilungsleiterin im  Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Das BMEL hat die Entwicklung des Standards über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) gefördert, um so das Angebot praxisnaher Instrumente für Unternehmen zu erweitern.

Der FSS ist so konzipiert, dass er in jeden bestehenden Nachhaltigkeitsstandard im Agrarsektor integriert werden kann und für alle landwirtschaftlichen Produkte, Betriebsgrößen und Betriebstypen anwendbar ist. Er soll Unternehmen dabei helfen, in ihrer Lieferkette der entsprechenden sozialen Verantwortung gerecht zu werden und damit auch einen Beitrag zur Bioökonomie-Strategie der Bundesregierung leisten, mit der der Vorrang der Ernährungssicherheit festgelegt wurde.