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Artenschutz

Gewässerrandstreifen: NABU will mindestens 10 m Breite

Josef koch
Josef Koch
am Mittwoch, 04.08.2021 - 07:48

Laut NABU-Studie sollten Gewässerrandstreifen am besten 20 m breit sein, aus Gründen des Artenschutzes. In gewässserreichen Regionen wäre Landwirtschaft dann kaum noch möglich.

Randstreifen

Nach einer Literaturstudie der Uni Duisburg, die im Auftrag das Naturschutzbundes Deutschland (NABU) erfolgte, sollten Gewässerrandstreifen am besten 20 m breit sein. Diese neue Literaturstudie zeigt laut NABU deutlich, wie wichtig Gewässerrandstreifen sind – nicht nur als Pufferzone gegen Pestizid- und Düngeeinträge in benachbarte Gewässer, sondern auch als Lebensraum für Insekten.

Für die Artenvielfalt der Insekten und die Leistung als Pufferzone zum Gewässer ist die Breite der Gewässerrandstreifen entscheidend. Sind Gewässerrandstreifen laut Studie breiter als zehn Meter, werden Pflanzenschutz- und Düngemittel effektiv gefiltert und somit in deutlich geringerem Maße in die Gewässer eingespült. Aufgrund dieser Filterleistung seien diese ersten zehn Meter aber auch belastet.

Mosaik auf Gehölzen und offenen Abschnitten empfohlen

Daher bedürfe es neben diesem ersten Pufferstreifen noch Lebensraum in einer Breite von weiteren zehn Metern, in dem die Insekten natürliche Verhältnisse vorfinden, so die Autorinnen und Autoren der Studie. Insekten brauchen nach deren Meinung eine möglichst vielfältig und mit Gehölzen bewachsene Uferzone, allerdings nicht durchgängig. Es reiche ein Mosaik aus offenen Abschnitten und Ufergehölzen.

Offen lässt die Studie indes, wie und ob Landwirte in gewässerreichen Regionen zwischen den Streifen überhaupt noch wirtschaftlich arbeiten können, wenn die bewirtschaftbare Flächengröße stark sinkt. Auch die NABU-Forderung, verpflichtende Randstreifen an allen Gewässern, nicht nur an denen von wasserwirtschaftlicher Bedeutung, sondern auch an Kleingewässern, ist so nicht aus der Studie herauszulesen. Dafür fordert der NABU 10 m breite Streifen als Mindestbreite.     

Erste zehn Meter am stärksten belastet

Nach der Studie weisen Gewässerrandstreifen meist eine besonders hohe Vielfalt an Insektenarten auf. Denn die vielfältigen Zonen der Streifen bieten unterschiedlichsten Insektengruppen perfekte Lebensbedingungen. Ob Eintagsfliege oder Libelle: Insektenarten, die in ihrem Lebenszyklus Wasser und Land benötigen, kommen besonders häufig in direkter Ufernähe vor. Ihr Bestand sinkt jedoch ab einer Entfernung von 15 bis 20 Metern vom Uferrand deutlich. „Von der Uferkante hin zum Umland ergibt sich eine deutliche, teilweise exponentielle Abnahme der Dichte semiterrestrischer Insekten“, so die Autorinnen und Autoren der Studie.

Durch Überdüngung und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Ufernähe leide die Vielfalt der Insekten jedoch deutlich, heißt es in der Studie. So gehen durch den Einsatz von Herbiziden wichtige Nahrungsquellen für die Insekten verloren, Insektizide schädigen Insekten wie die Eintagsfliege sogar direkt. Hinzu komme, dass ein zu hoher Nährstoffeintrag den Wuchs bestimmter nährstoffliebender Pflanzenarten begünstigt, was die Artenvielfalt am Ufer zusätzlich reduziere und so ebenfalls die Nahrungssituation für die Insekten verschlechtere.

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