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Nobelpreis

Gentechnik: Tragweite neuer Techniken nicht absehbar

Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 09.10.2020 - 09:08

Der Nobelpreis für die Genschere-Forscherinnen lässt die Kritiker aufhorchen. Sie warnen vor den neuen Techniken.

BÖLW

Der Nobelpreis für die beiden Entdeckerinnen der Genschere CRISPR/Cas9, Prof. Emmanuelle Charpentier und Prof. Jennifer Doudna, hat nicht nur Befürworter, sondern auch die Kritiker der neuen genetischen Züchtungstechnologie auf den Plan gerufen.

So warnte der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), dass die gesamte Tragweite dieser Züchtungstechnik noch gar nicht abschätzbar sei. Charpentier selbst habe zur Vorsicht im Umgang mit ihrer Erfindung gemahnt, so der BÖLW-Vorsitzende Dr. Felix Prinz zu Löwenstein. Die Nobelpreisträgerin habe deshalb an die weltweite Wissenschaftsgemeinde appelliert, die Genschere nicht in der menschlichen Keimbahn einzusetzen.

Für Löwenstein steht fest, dass CRISPR/Cas auch Risiken für die Umwelt birgt, wenn „Gentech-Pflanzen“ freigesetzt werden. Denn Eigenschaften, auch ungeplante, die durch Vererbung weitergegeben würden, seien in beiden Fällen nicht rückholbar. Es sei deshalb nur logisch und dem Vorsorgeprinzip folgend vernünftig, dass der Europäische Gerichtshof (EuGH) die Genschere 2018 ohne Wenn und Aber der Gentechnik zugeordnet habe.

Verantwortungsvollen Umgang sichern

Ins gleiche Horn stößt der Ökoanbauverband Demeter. Bei aller Begeisterung für die Forschungsleistung dürften auch die Risiken dieser neuen Gentechnik nicht aus dem Blick verloren werden.

Für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zeigt die Wahl des Nobelpreiskomitees einmal mehr, wie umfassend die Manipulationen am Genom durch die Genschere sind. Umso wichtiger sei es, dass mit Blick auf die Anwendungen das Vorsorgeprinzip und ein verantwortungsvoller Umgang mit der mächtigen Technologie gesichert seien.

Für Demeter-Vorstand Alexander Gerber ist daher klar:"Das EU-Gentechnikrecht für den Bereich Landwirtschaft und Lebensmittel muss auch weiterhin für neue Gentechniken gelten."

Mit Material von AgE