Züchtung

Gentechnik: Ebner verteidigt Beschluss

Josef Koch
Josef Koch
am Mittwoch, 25.11.2020 - 05:00

Die Grünen wehren sich gegen den Vorwurf, Gentechnik-Lockerungen für neue Züchtungstechniken zu akzeptieren. Andere hätten sich aber darüber gefreut.

Ebner-Harald-Bündnis90/Die Grünen-Bundestag

Berlin Auf den Vorwurf der ÖDP, die Grünen würden mit ihrem Parteitagsbeschluss vom klaren Nein zur Agrar-Gentechnik abrücken, entgegnet der Gentechnik-Sprecher Harald Ebner mit klaren Worten. „Die Delegierten haben mit überwältigender Mehrheit klargestellt: Auch bei der Gentechnologie im Bereich der Landwirtschaft muss eine strenge Regulierung weiterhin gelten.."

Ein Antrag, auf Deregulierung der neuen Gentechnik wurde mit 80 Prozent der Stimmen abgelehnt. Damit ist laut Ebner klar: Die Grünen bekennen sich im neuen Grundsatzprogramm zum Vorsorgeprinzip und damit zu strengen Zulassungsverfahren für alte und neue Gentechnik. Ebenso halten sie an der Kennzeichnungspflicht für Gentech-Lebensmittel fest. Sie sichere die Wahlfreiheit der Verbraucherinnen und Verbraucher, so der Gentechniksprecher.
 

Mehr Risikoforschung nötig

Forschung bleibt nach dem Grundsatzprogramm wie bisher möglich. Gleichzeitig verlangen die Grünen aber die Risiko- und Nachweisforschung gerade für neue Züchtungsmethoden zu stärken. Dort fließt nach Grünenauffassung viel zu wenig Geld, im Gegensatz zur Gentechnikforschung.

FDP: Neue Techniken nutzen für mehr Nachhaltigkeit

Konrad-Carina-FDP-Bundestag

Die FDP wertet den Grünenbeschluss indes als Rückschritt, wenn die Umweltpartei gleichzeitig mehr Nachhaltigkeit fordert. "Wer ernsthaft mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft will, darf den Weg zur Nutzung neuer, revolutionärer Technologien wie der Genschere CRISPRCas9 nicht blockieren, denn Ideologie macht weder satt noch gesund“ so Carina Konrad, Gentechniksprecherin der Liberalen.

Entscheidend ist für die FDP sei das Produkt, nicht der Weg seiner Entstehung. Um Verbesserungen zu erreichen, müsse Politik auch dazu bereit sein, Veränderungen zu ermöglichen. Zumindest in diesem Punkt liegt sie auf der Linie von Bundesagrarministerin Julia Klöckner. Sie spricht sich schon seit längerem für mehr Akzeptanz neuer Züchtungstechniken aus.

Grain Club sieht Basis für Gespräche

Mehr Fortschritt im Grundsatzprogramm bei der Gentechnik hat sich Dr. Momme Matthiesen, Geschäftsführer OVID - Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland e.V. und Sprecher für den Grain Club erwartet. Er vermisst ein klares Bekenntnis zu den Chancen von neuen Züchtungstechniken für eine nachhaltigere Landwirtschaft sowie eine klare Unterscheidung zwischen konventioneller (klassischer) Gentechnik und Genome Editing.

Hierzu besteht laut Momme ein wissenschaftlicher Konsens. Dieser Differenzierung erfordere ein klares Bekenntnis zu wissenschaftlicher Bewertung und Mut zur Aufklärung und differenzierter Kommunikation.

Von beidem hätte sich der Grain Club mehr gewünscht. Die Verbändeallianz hofft aber, die Interpretation des Grundsatzprogramms als Basis für einen konstruktiven Dialog nutzen zu können.