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CRISPR/Cas

Genschere: Rechtsprechung hängt von juristischer Grundlage ab

Gentechnik
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Montag, 10.05.2021 - 08:09

Der Streit um die Risiken der Genschere geht weiter. Die EU könnte die rechtliche Grundlage ändern und damit eine neue juristische Entscheidungsbasis für das EuGH schaffen.

Brüssel - Ende April hat die EU-Kommission ihre Studie zu den neuen Gentechniken (NGT) veröffentlicht. Nun hat sie sich zum Beschluss des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) positioniert. Dieser hatte 2018 die neuen Züchtungsmethoden mit der traditionellen Gentechnik gleichgestellt. CRISPR/Cas-Kritiker sehen darin eine feste juristische Vorgabe.

Die EU-Kommission betont, sie stelle mit ihrer Studie das Urteil nicht infrage. Die Richter in Luxemburg hätten aufgrund der bestehenden Gesetzeslage geurteilt, erklärte die EU-Kommission. Sie wolle dem Urteil nicht widersprechen, aber mit einem Vorschlag die Regeln für die Zukunft verändern. Im Klartext heißt das: Juristische Beschlüsse orientieren sich am existierenden Recht. Ändert sich das Recht, so haben sich die Richter an dem neues Status-Quo zu orientieren.

EFSA sieht keinen Risikounterschied zu konventioneller Zucht

Bei der Risikobeurteilung der Neuen Gentechniken beruft sich die EU-Kommission auf ein Gutachten der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA), nach dem sich das Risiko der Genschere nicht von dem konventioneller Kreuzungsmethoden unterscheidet. Wenn keine fremde DNA hinzugefügt wird, lassen sich neue Sorten nicht mehr unterscheiden, egal ob sie mit der Genschere produziert wurden oder mit der herkömmlichen Kreuzung, argumentiert die EFSA.

Dagegen sehen Gentechnikgegner trotz der stofflichen Identität einige Unterschiede. Die neuen Gentechnikmethoden sind mit der traditionellen Züchtung nicht vergleichbar, betont das Europäische Netzwerk von umweltkritischen Wissenschaftlern (ENSSER). Sie verweisen darauf, dass bestimmte Teile der DNA besser vor Veränderungen als andere geschützt sind, was aber nur noch bei der traditionellen Kreuzung zum Tragen kommen könne. Außerdem verändere sich der übliche Reparaturmechanismus der Zellkerne nach einer Mutation mit der Genschere, führt das ENSSER aus. Der gezielte Umbau der DNA hat nach Ansicht der kritischen Wissenschafter Nebenwirkungen für das Erbgut und daraus leiten sie erhöhte Risiken für Mensch und Umwelt durch die neuen gentechnischen Züchtungsmethoden ab.

Mit Material von aiz