Landfrauen

Sich gegen Bauernhetze wehren

Ortsbäuerin
Toni Ledermann
am Dienstag, 08.10.2019 - 09:54

Auf der Herbsttagung der Unterallgäuer BBV-Ortsbäuerinnen in Sontheim kommen brisante Themen zur Sprache.

Sontheim/Lks. Unterallgäu - Vergebens warteten die Unterallgäuer Ortsbäuerinnen und die BBV-Vorstandschaft auf die Referentin, die zum Thema „Hau(p)tsache gesund – die Haut, die wichtigsten zwei Quadratmeter deines Lebens“ sprechen sollte und kurzfristig erkrankt war. Gleichwohl gab es ausreichend Gesprächsstoff.
Das Gesundheitsthema soll zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufs Programm kommen. Erfreulich hingegen war die Scheckübergabe von 750 €. Die landwirtschaftlichen Berater der Sparkasse, Stefan Kircher und Bianca Zettler, überreichten die Spende, die den Unterallgäuer Dorf­helferinnen-Stationen zugute kommen soll. Diese Organisationen in Mindelheim und Memmingen leisten laut Walser gute Arbeit.

Frauen in die kommunalen Ämter wählen

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Weiter berichtete die Kreisbäuerin, dass schon seit über 70 Jahren Landfrauen ein offenes Ohr für die Anliegen der Dorfgemeinschaft und viele Aktionen auf den Weg gebracht haben. Walser ermunterte ihre Berufskolleginnen, sich für die Kommunalwahlen im nächsten Jahr aufstellen zu lassen. Dies sei wichtig, weil immer weniger Bauern in den Gemeindegremien sind. Auch im Pfarrgemeinderat müsse die bäuerliche Flagge hochgehalten werden. „Gebt Euch einen Ruck, motiviert Euch und fordert weitere geeignete Frauen auf, wenn Ihr selbst schon zu viele Verpflichtungen habt“, meinte Walser.

Die „Öffentlichkeitsarbeit“ sei derzeit wichtiger denn je, „denn ohne Landwirtschaft geht nichts. Wir pflegen die Landschaft und die vielen Viehscheide, die auch bei den Touristen sehr beliebt sind, gehen ohne Kühe nicht. Aber Mehl, Obst und die anderen gesunden Lebensmittel kommen von uns. Wir haben so hohe Standards wie sonst nirgendwo.“ Dies gelte auch für Milch – dem meist untersuchten Nahrungsmittel! Auch beim Thema „Alltagskompetenz“ gehe der BBV voran, indem er Ernährungsfachfrauen ausbildet.
 

Bei Bäuerinnen-Studie mitmachen und gewinnen

Walser verwies auf eine aktuelle Studie, bei der jede Bäuerin mitmachen kann. Es gehe um Umweltfragen und die Situation der Bäuerinnen. Hier könne man auch Gewinne einheimsen. Doch wichtiger seien die Ergebnisse, die an die Politik weitergeleitet werden. Die Infos gibt es im Internet unter www.baeuerinnen.bayern.de.
Walser erinnerte daran, dass bayernweit 26 000 Ehrenamtliche es schaffen, wichtige Veranstaltungen zu organisieren. Sie kritisierte, dass es immer wieder Bestrebungen gebe, EU-Fördermittel von der 1. in die 2. Säule zu verlagern, was letztendlich Landwirten abgezwackt würde. Dagegen müsse man sich wehren.

BBV-Reisen bieten gute Kontaktmöglichkeiten

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Eine gute Möglichkeit, um in Kontakt zu kommen und zu bleiben, seien die BBV-Reisen: Im Oktober geht es an die Mosel und im April nach Rhodos. Nähere Infos gibt es in der Geschäftsstelle in Erkheim.

Walser schilderte auch, wie arbeitsreich die Zeit für die BBV-Landfrauen-Spitze war. Der Besuch der EU-Abgeordneten Marlene Mortler beim Landfrauentag sei einer der Höhepunkte gewesen, ebenso der von Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber in Martinsried. Die Aktionen pro Bienen seien sehr zeitintensiv.
Zur jährlichen Arbeit gehörten auch die Kindertage auf 415 bayerischen Bauernhöfen. Als Beispiele seien genannt Dirlewangs Ortsbäuerin Brigitte Seitz oder Marlene Riefer in Legau.

Walser verurteilte die teils anonymen Briefe an den heimischen BBV zu verschiedenen Problemen. Das Volksbegehren sei für Bauern „absolut kein Gewinn gewesen“. Es sei schwierig geworden, unbefangen mit Verbrauchern zu reden. Manche glaubten, mit ihrer Unterschrift hätten sie genug getan. Besser wäre es, wenn sie selbst zur Schaufel griffen und Blühbeete anlegen würden.

Zum Allgäuer Tierskandal meinte Walser, dass jeder vernünftige Landwirt sich ums Tierwohl erfolgreich bemüht. Wer dieses missachte, müsse bestraft werden. „Solange Schächten in Deutschland erlaubt sei, kommt die Frage auf: Wo steht die Politik bezüglich anderer Religionen? Offensichtlich stehen Religionen vor dem Tierwohl! Auch hier fragt man sich, wo ist unser Rechtsstaat?“ Diese Frage stellten sich auch junge Leute, die ansonsten sehr aufgeschlossen sind für „unseren schönen Beruf“. Jetzt würden sie zurecht hinterfragen, ob sie weitermachen und Geld in den Hof stecken sollen – bei dieser Fülle an Auflagen? „Wenn einem täglich Knüppel zwischen die Beine geworfen und unsinnige Forderungen gestellt werden, dann vergeht einem die Lust.“ Weiter beklagte Walser , dass die Luftverschmutzung viele Verursacher habe, aber vieles den Bauern in die Schuhe geschoben werde.

Grüne Kreuze mahnen gegen Auflagenflut

Walser und Geschäftsführer Helmut Mader erläuterten die Aktion von Bauer Willi, der dafür plädiert hatte, große grüne Kreuze in der Flur aufzustellen – als Mahnmal gegen die ständige Auflagenflut, unfaire Handelspolitik und gegen Agrarfabriken. Mader stellte die vielen Themenvorschläge zur Erwachsenenbildungsarbeit vor und bat die Ortsbäuerinnen auch selbst Ideen einzubringen. Erfreulich sei, dass in diesem Jahr viele kostenlose Kurse angeboten werden. Neu hinzugekommen sei der Besuch des Heimatmuseums in Dirlewang. Ansprechpartnerin ist Ortsbäuerin Brigitte Seitz (Tel. 08267-960980).

Applaus für viele Veranstaltungen

Viel Beifall gab es für die Bäuerinnen, die die meisten Veranstaltungen in ihrem Ortsverband durchgeführt haben. Wie schon in den Jahren zuvor liegt Brigitte Seitz (Dirlewang) mit elf Terminen vorn. Zweite wurde Marlene Riefer (Legau), gefolgt von vier Frauen auf Platz 3: Angelika Munding (Pless), Dorothee Guggemos (Eppishausen), Leni Kustermann (Benningen) und Ilse Honold (Steinheim).

Hauswirtschaftsdirektorin Ursula Bronner vom AELF Mindelheim informierte über die Aktivitäten der Haus- und Landwirtschaftsschule. Erfreulich war, dass Absolventinnen und Absolventen auch auf weiteren Ebenen gut abgeschnitten haben. Bronner verwies auf das Einstiegsseminar für Einkommensalternativen. Abschließend stellte sich die neue Mitarbeiterin Tanja Högg vor, die Ernährungs- und Versorgungsmanagement studiert hat und in diesem Bereich arbeitet.