Agrarpolitik

GAP: Umweltbundesamt fordert differenzierte Öko-Regelungen

Josef Koch
Josef Koch
am Mittwoch, 05.05.2021 - 17:46

Die Umweltbehörde sieht beim bisherigen Greening zu wenig Erfolge. Daher sollen die neuen Öko-Regelungen flexibler ausfallen.

Blühfläche

Exakt zu den aktuellen Verhandlungen um die nationale Umsetzung der Agrarreform legt das Umweltbundesamt eine Bilanz des Greenings seit 2015 vor. Darin kommt die Umweltbehörde zum Schluss, dass Maßnahmen für die Biodiversität nur dann wirksam sind, wenn Umweltmaßnahmen passgenaue finanzielle Anreize bieten und sie in allen Regionen Deutschlands im nennenswerten Umfang umgesetzt werden. Die Fördersätze für Umweltmaßnahmen in der ersten Säule müssen laut Umweltbundesamt also nach Standorten und nach ökologischer Ambition differenziert werden.

Die EU-Vorgaben sehen indes vor, dass Deutschland,wie die anderen EU-Staaten auch, für Öko-Regelungen bundesweit die gleichen Maßnahmen zu gleichen Prämien anbieten muss.

    Mehr Brachflächen

    Immerhin sieht das Umweltbundesamt durchaus positive Effekte der Greeningmaßnahmen in den vergangenen Jahren. Seit der Einführung 2013 und verstärkten Maßnahmen der zweiten Säule konnte der jahrelange Rückgang von ökologisch wertvollen Flächen gestoppt werden, Brachflächen haben wieder zugenommen. Die Vielfalt der Ackerkulturen auf lokaler und regionaler Ebene habe sich indes mit dem Greening nicht geändert hat. In vielen Regionen Deutschlands dominierten weiterhin wenige Kulturen wie Winterweizen, Raps und Mais die Ackernutzung, so das UBA.

    Allerdings hat die Dauergrünlandfläche zwischen 2014 und 2019 um rund 130.000 Hektar zugenommen. Seit 1999 war sie aber um eine halbe Million Hektar gesunken, heißt es in der UBA-Studie. Sie bemängelt, dass Greening nur zu einer sehr geringen Abnahme des Umweltrisikos durch Pflanzenschutzmittelanwendungen geführt habe.

      Gründe für geringe Effekte

      Jedes Jahr zahlt die EU 1,5 Mrd. Euro an landwirtschaftliche Betriebe für das Einhalten der Greening-Vorgaben. Nach Berechnung der Fachleute betragen die Kosten dieser Umsetzung für die Betriebe aber nur 190 Millionen Euro, also ein Achtel dieser EU-Zahlungen. Zeitgleich werden ökologisch wertvolle Greening-Maßnahmen wie das Bereitstellen von Brachen und Blühstreifen nicht ausreichend umgesetzt, um nennenswerte ökologische Effekte zu erzielen, kritisiert das UBA.

      Diese aus UBA-Sicht „ineffiziente Nutzung von öffentlichen Mitteln für Umweltleistungen“ hat zwei Ursachen:

      1. Bei einigen Greening-Maßnahmen übersteigt die pauschale Förderung pro Hektar deutlich die spezifischen Umsetzungskosten für die Betriebe. Zum Beispiel verursacht der Anbau von Zwischenfrüchten Kosten von ca. 50 bis 100 €/ha und Jahr für die Betriebe, wird aber über die Greening-Förderung mit 250 bis 500 €/ha und Jahr honoriert.
      2. Für die unzureichende Umsetzung von ambitionierten ökologischen Maßnahmen sind die regionalen and betrieblichen Kostenunterschiede verantwortlich. So ist für Betriebe in Intensivregionen der Anreiz zum Umsetzen von ambitionierten Maßnahmen, wie das Anlegen von Blühstreifen, gering, da für sie der Verzicht auf produktive Flächen mit hohen Gewinneinbußen einhergeht. Für Betriebe mit Flächen auf weniger fruchtbaren Böden hingegen ist die aktuelle Prämie deutlich höher als die Kosten der Bereitstellung. Hier werden deshalb auch verstärkt Flächen aus der Produktion genommen. Da aktuell die Greening-Leistungen durch eine deutschlandweit einheitliche Flächenzahlung ausgeglichen werden, werden ökologisch hochwertige Maßnahmen in Intensivregionen selten umgesetzt.