EU-Agrarpolitik

GAP: Rübenanbauer wollen attraktive Ökoregelungen

Josef Koch
Josef Koch
am Montag, 05.04.2021 - 17:54

Um die Wettbewerbsverzerrungen in der EU auszugleichen, verlangt die Zuckerwirtschaft einen Ausgleich über die Ökoregelungen.

Rübensaat-Zuckerrübe

Die Zuckerwirtschaft zieht Bilanz zur zurückliegenden Zuckerkampagne. Die Branche steht unter Druck. Der ungleiche Wettbewerb, vor allem innerhalb der EU, belastet den Rübenanbau in Deutschland zunehmend. Die Zahl der Anbauer, die Rübenfläche und damit die Menge an regional erzeugtem Rübenzucker ist rückläufig. Dadurch verliert die Landwirtschaft nicht nur Biodiversität auf dem Acker, sondern auch die wichtigen Umweltleistungen der Zuckerrübe.

„Die Politik kann und muss die aktuellen Verhandlungen zur Agrarreform als Chance nutzen, Wettbewerbsnachteile für unsere Branche auszugleichen und die Umweltleistungen zu honorieren“, fordert Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker.

„Viele EU-Staaten verschaffen sich durch Kopplungen nationale Vorteile. Der Rübenanbau in Polen oder der Slowakei wird ausgeweitet, bei uns geht er zurück. Rübenanbauer in Deutschland dürfen nicht länger in die Röhre schauen, sie brauchen eine verlässliche Perspektive.“

Branche sieht Umweltvorteile

Vor allem, weil der Rübenanbau nach Auffassung der Zuckerwirtschaft viel für die Umwelt leistet: Er reduziert Nitrat im Boden und verbessert die Bodenfruchtbarkeit sowie dessen Struktur. Durch den Zwischenfruchtanbau und Mulchsaatverfahren schützt er vor Erosion und bietet einen Rückzugsraum für Feldvögel. Zudem trägt die Rübe zu mehr Biodiversität bei, weil mit ihr eine Blattfrucht in die Fruchtfolge integriert wird und vor der Rübe Zwischenfrüchte angebaut werden. Nicht zuletzt ist die Zuckerrübe Rohstoff für Bioethanol und hilft somit, fossile Treibstoffe zu ersetzen.

„Wir können uns schlicht nicht leisten, die Rübe als wertvollen Teil der Fruchtfolge hier zu verlieren und dafür Zucker zu importieren. Um den regionalen Anbau zu sichern, müssen Prämienzahlungen in anderen Ländern hierzulande ausgeglichen werden - wenn nicht durch gekoppelte Zahlungen dann durch die Öko-Regelungen. Gute Gründe dafür haben wir“, ergänzt Tissen.

Weniger Rübenanbauer, weniger Zucker

In der Kampagne 2020/21 haben Landwirte auf knapp 351.000 ha Zuckerrüben angebaut, im Vorjahr waren es noch über 372.000 ha.  Trotz einer leicht höheren Rübenablieferung von 73,3 t/ha sank die Zuckererzeugung auf rund 4,1 Mio. t. Das waren run 3,1 Prozent weniger als in der Kampagne 2019/20.

Seit 2016 ist die Zahl der Rübenanbauer laut Verband um über 17 Prozent auf 23.638 gesunken.