EU-Agrarpolitik

GAP: Frankreichs Bauern demonstrieren gegen Reform

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 08.04.2021 - 16:56

Ihren Unmut über die Agrarreform machen Frankreichs Bauern derzeit mit Protesten Luft.

In Frankreich haben die Landwirte ihre Protestaktionen gegen die Umsetzung der künftigen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und die nationalen Strategiepläne rund um Ostern fortgesetzt. Am Dienstag (6.4.) kam es in Dijon teilweise zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei, berichtet Nachrichtendienst Agra Europe.

Französischen Medienberichten zufolge waren in der Hauptstadt der Region Burgund etwa 300 Traktoren und 400 Demonstranten vor die Regionaldirektion für Umwelt, Raumordnung und Wohnen (DREAL) gezogen. Dort brachen sie mit einem Bagger das Eingangstor auf und zündeten dort Mist, Reifen und Stroh an.

Auf Plakaten skandierten die Protestierenden unter anderem „Rette deine Bauern“, „Bauern in Gefahr“ oder „Macron, sei kein Idiot. Es sind bald Wahlen“. Bei der Aktion sollen einge Landwirte von der Polizei verhaftet worden sein, darunter offenbar auch ein Verbandsvertreter.

Massive Kritik an Öko-Regelungen und neuen Auflagen

Bereits am Karfreitag hatte der regionale Bauernverband des Großraums Paris (FRSEA) nach eigenen Angaben etwa 5 000 Landwirte mobilisiert. Dabei äußerten die Bauern insbesondere ihren Unmut über die angedachten Eco-Schemes (Öko-Regelungen), die sie als „zu anspruchsvoll“ ansehen. Außerdem befürchten sie, dass einzelne Bauern komplett von EU-Zahlungen ausgeschlossen werden könnten.

Indes zeigte sich der Vizepräsident des französischen Bauernverbandes (FNSEA), Arnaud Rousseau, in einem Interview mit Agra-Presse besorgt über die zunehmenden Forderungen in Bezug auf die Konditionalität der künftigen GAP. Nach seiner Ansicht würde diese zu „viel weniger Flexibilität“ bei der Auswahl der Kulturen führen. Dies betreffe auch die Auflagen für den „Guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand“ (GLÖZ-)Standard 8 „Fruchtfolge“. Brüssel wolle, dass die vielfältige Fruchtfolge auf Parzellenebene basiere und nicht mehr auf Betriebsebene, wie es derzeit der Fall sei.

Mit diesem neuen Kriterium würde ein Landwirt, dessen gesamte Fläche nicht bewässert werden könne, riskieren, „hochwertige Kulturen wie Kartoffeln oder Gemüse auf nicht bewässertem Land anbauen zu müssen“, erklärte Rousseau, der auch Präsident der Ölsaatenerzeuger (FOP) im FNSEA ist.

Mit Material von AgE