EU-Agrarpolitik

GAP: Basisprämie sinkt deutlich

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 01.04.2021 - 13:03

Landwirte müssen sich auf deutlich sinkende Basisprämien einstellen. Zudem droht Grünland zum Reformverlierer zu werden.

Landschaftspflege

Nach Berechnungen des Deutschen Bauernverbands (DBV) wird nach dem Kompromiss der Bundesländer vom vergangenen Freitag (26.3.) auf der Agrarministerkonferenz (AMK) die Basisprämie Landwirte deutlich sinken. In der Endphase der Förderperiode 2026/27 könnte sie nach DBV-Berechnungen bei rund 148 €/ha liegen. Hinzu kommt aber noch die Prämie für Ökozahlung von rund 63 €/ha. Damit würde die Prämie insgesamt bei rund 210 €/ha liegen. Derzeit bekommen Landwirte inkl. Greening etwa 260 €/ha, führte der stellvertretende DBV-Generalsekretär Udo Hemmerling in einem Pressegespräch aus.

Hinzu kommen jedoch noch Zuschläge für die Ersten Hektare sowie für Junglandwirte. So sind für die ersten 40 ha rund 70 €/ha vorgesehen, für die weiteren 20 ha rund 40 €/ha. Für Junglandwirte sind bis 120 ha rund 70 € vorgesehen.

Hemmerling bezeichnete die Zuschläge für die Ersten Hektare als maßvoll. Sie helfen den kleinen und mittleren Betrieben, störten aber den Pachtmarkt nicht, in dem die Flächenabgabe allzu stark behindert würde. Grund für das Absinken der Direktzahlungen ist die höhere Umschichtung von der Ersten in die Zweite Säule. Sie steigt schrittweise ab 2023 von 10 auf 15 Prozent in 2026.

Hemmerling: Umbruchverzicht von Grünland honorieren

Bei den derzeit von den Ländern vorgeschlagenen Maßnahmen für Eco-Schemes (Öko-Regelungen) vermisst Hemmerling eine stärkere Berücksichtigung des Grünlands. So fordert der DBV den Verzicht auf Grünlandumbruch den Landwirten zu honorieren, weil damit das Entstehen von neuen Treibhausgasemissionen vermieden werde. Dieser Ansatz passt laut Hemmerling in die Ziele der EU-Klimapolitik (Green Deal). Die bisher vorgesehenen Altgrassteifen auf Grünland machten vor allem für Weidetierhalter große Probleme in der Umsetzung. Daher sei eine Erweiterung des Maßnahmenkatalogs bei Ökoregelungen sinnvoll, so der Verbandsvertreter.

Er machte im Gespräch deutlich, dass diese Erweiterung auch vielen Ökobetrieben helfe, die Kürzungen der Basisprämie leichter zu verkraften. Schließlich sei rund die Hälfte der Ökofläche Grünland. Nach derzeitigen AMK-Beschlüssen sieht der DBV das Grünland als größten Verlierer in der nationalen Umsetzung der Agrarreform.

Näher am Ziel zum Ausbau des Ökolandbaus

Heigl-Hubert-LVÖ

In einem gemeinsamen Brief an Bundesagrarministerin Juli Klöckner fordern der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer und Naturland Präsident Hubert Heigl, den eingeschlagenen Weg, die Bundesländer vergangenen Woche beschlossen haben, konsequent im Sinne von Umwelt und Artenvielfalt weiterzugehen. "Die Richtung stimmt“, schreiben die beiden Verbandsvorsitzenden. In ihrem Brief verweisen sie auf das Ergebnis der gemeinsamen bundesweiten Kampagne #wirlebenArtenvielfalt von Naturland und LBV. Rund 2.700 Menschen hatten sich hierbei in eine E-Mail an die Agrarministerin gewandt und sich für mehr Artenvielfalt ausgesprochen.

Nach Auffassung von Heigl und Schäffer bleiben die Beschlüsse zwar noch immer hinter dem Notwendigen zurück, bedeuten aber immerhin eine Verbesserung gegenüber dem Status quo.  Da nun insgesamt mehr Geld für Umweltleistungen zur Verfügung stehe, gebe es in der Kombination der Maßnahmen aus erster und zweiter Säule die Chance, dem Ziel der Bundesregierung von 20 Prozent Öko-Landbau bis 2030 zumindest näher zu kommen.

Warnung for Rosinenpickerei

Die einjährigen Eco-Schemes stuft LBV-Vorsitzender als wichtiges zusätzliches Instrument der neuen GAP für mehr Artenvielfalt. Deshalb sei es gut, dass hierfür ein Budget von 25 Prozent in der ersten Säule vorgesehen seien.

„Wenn eine geschickte Auswahl verschiedener kurzfristiger Einzelmaßnahmen für konventionelle Betriebe finanziell attraktiver ist als die Umstellung auf Öko-Landbau, werden sie im Zweifel auch nicht umstellen“, verdeutlicht Naturland Präsident Heigl: Deshalb müsse eine solche Rosinenpickerei verhindert werden, fordert Heigl. Sonst würden nicht nur die Ausbauziele für den Öko-Landbau verfehlt, sondern auch die Umweltziele der GAP und des Green Deals der EU-Kommission.

Ihr Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
blw digital iphone blw digital macbook
Hefttitelbild Printausgabe Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt