EU-Agrarpolitik

GAP: Agrarbündnis fordert Weide- und Grünlandprämie

Josef Koch
Josef Koch
am Mittwoch, 22.09.2021 - 09:05

Milchbauern verschiedener Agrarverbände verlangen von den Länderagrarministerin, zusätzliche Öko-Regelungen für Grünland.

Kühe-Weide

Vor der Herbstkonferenz der Länderagrarminister schlägt ein Zusammenschluss aus Landesverbänden der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), dem Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) und Land schafft Verbindung (LsV) zusätzliche Öko-Regelungen für Weidehaltung und Grünland vor. Die Ressortchefs treffen sich Ende September/Anfang Oktober in Dresden.

Von den Agrarministerinnen und -ministern der Länder fordern die Verbände, ein klares Bekenntnis zur Einführung dieser zusätzlichen Öko-Regelung. Nach deren Ansicht müssen die Agrarminister bereits zu Beginn der kommenden Förderperiode 2023 mindestens eine zusätzliche Öko-Regelung für Weidehaltung von Milchkühen einführen. Die Verbände halten die bislang beschlossenen Öko-Regelungen als völlig unzureichende Angebote für Grünlandbetriebe.

„Grünlandbetriebe, aber insbesondere Milchviehhalter mit Weidehaltung sind nach jetzigem Stand die Verlierer der kommenden Agrarreform,“ findet Heiko Strüven, Milchviehhalter und Mitglied im BDM-Landesteam Schleswig-Holstein. Wenn die Politik es mit Klimaschutz, Artenvielfalt und Tierwohl ernst meine, müsse nachgebessert werden, so der Landwirt.
 

Mindestens 120 Tage und 6 Stunden täglich Weidegang

Konkret schlagen die Verbände vor, sich bei der Weideprämie für Milchkühe und Nachzucht an den Kriterien des Labels Pro Weideland zu orientieren.

Diese sehen Weidegang an mindestens 120 Tagen für mindestens 6 Stunden vor. Pro Milchkuh müssen mindestens 1000 m² Weidefläche und 2000 m² Grünland vorgehalten werden. Für Jungrinder schlagen die Verbände eine verpflichtende Beweidung an mindestens 120 Tagen vor. Auch Natur-, und Tierschutzverbände unterstützen die Forderung nach einer zusätzlichen Öko-Regelung für Weidehaltung von Milchkühen, heißt es in der gemeinsamen Pressemitteilung.

Vorschläge für weitere Grünlandprämie

Nach Auffassung von Jann Harro Petersen, LsV Schleswig-Holstein ist insbesondere Dauergrünland ein bedeutsamer Kohlenstoffspeicher und damit direkter Klimaschützer. Die Weide beeinflusse nachweislich positiv das Tierwohl und die getrennte Ausscheidung von Kot und Harn auf der Weide biete außerdem Potenzial, um Ammoniakemissionen zu verringern.

Spätestens ab Jahr zwei der kommenden Förderperiode sind laut Verbändebündnis daher schrittweise zusätzliche Öko-Regelungen zu Honorierung der Bewirtschaftung von Grünland einzuführen. Hierfür schlägt das Bündnis folgenden Öko-Regelungen vor:

Biodiversitätsfördernde Aufwertung der Grünlandnarbe:

  • Ansaat oder Nachsaat von Kräutermischungen (z.B. Beespoke)
  • Hoher Grünlandanteil
  • Mindestviehbesatz von 0,3 RGV/ha
  • Prämienberechtigt ist die Maßnahmenfläche

Biodiversitätsfördernde Bewirtschaftung von Mähflächen:

  • Alternierendes Mähen auf min. 10 Prozent der Fläche
  • Hoher Grünlandanteil · Mindestviehbesatz von 0,3 RGV/ha
  • Prämienberechtigt ist die Maßnahmenfläche

Geld verdienen muss möglich sein

Die Einschätzung, dass die Ausgestaltung der Prämienhöhe der Öko-Regelungen mit Anreizkomponente gegen geltende WTO-Bestimmungen verstößt, teilen die Verbände ausdrücklich nicht. Vielmehr halten sie es für bedeutsam, dass alle Öko-Regelungen auch wirtschaftlich attraktiv sind, also mit Anreizkomponente ausgestaltet werden. Bäuerinnen und Bauern müssen mit Natur- und Tierschutzmaßnahmen in den Öko-Regelungen Geld verdienen können.

„Das wäre eine wichtige Möglichkeit, um das ungebremste Höfesterben einzudämmen,“ meint Otmar Ilchmann, Milchbauer und Vorsitzer der AbL Niedersachsen.

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