Wald und Wild

Gamszahlen: Hitzige Reaktion des Jagdverbands

Gams-in-Bergen
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Freitag, 22.10.2021 - 10:16

Der Bayerische Jagdverband zweifelt die von der Landesanstalt erhobenen Zahlen an. Selbst eine Täuschung sei nicht auszuschließen.

Am 16. Oktober veröffentlichte das Bayerische Landwirtschaftsministerium neue Forschungsergebnisse zum Gamsprojekt. In zwei Forschungsgebieten im Karwendel und im Chiemgau haben Wissenschaftler der Landesanstalt für Wald und Forstwirschaft (LWF) die Gamsbestände wissenschaftlich untersucht. Aus den ermittelten Zahlen schlussfolgerten sie, dass es in Bayern robuste Gämsenbestände gebe.

Jagdverband schießt scharf

Ein geharnischtes Contra gab es zu den Ergebnissen der LWF vom Bayerischen Jagdverband. Präsident Ernst Weidenbusch sprach von Mutmaßungen und legte seinerseits mit einer gewagten These nach: „Wir können nicht ausschließen, dass das Ministerium von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) getäuscht wurde“.

Als konkreten Kritikpunkt bringen die Jäger vor, dass dem Ministerium bislang nur Schätzungen einer norwegischen Gruppe von Wissenschaftlern vorliegen würde, die die bisherige Aussagen des LWF bestätigen. Die Aussagekraft der Hochrechnung von den genetisch festgestellten 800 Individuen auf geschätzte 1350 stellt der Verband in Frage. Für den Jagdverband steht aufgrund der auf der betreffenden Fläche identifizierten knapp 800 Individuen fest, dass mit einer aus diesen Ergebnissen abgeleiteten bayerischen Gesamtpopulation von ca. 14.000 Tieren die Gams erheblich gefährdet sei. Diese Zahlen würden in keinem Verhältnis zu den Abschusszahlen und der Schonzeitaufhebungen stehen.

LWF weist Vorwürfe des Jagdverbandes als haltlos zurück

Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft hat die Vorwürfe des Bayerischen Jagdverbandes als haltlos zurückgewiesen. Das Forschungsprojekt inklusive der statistischen Auswertungen seien von Wildbiologen der bayerischen Landesanstalt durchgeführt worden. Die Aussage des BJV, dass norwegische Wissenschaftler „Schätzungen“ durchgeführt hätten, sei daher falsch.

Vielmehr wurden in den Projektgebieten Kotproben von Gams, Reh und Rotwild in einem Stich-probenverfahren gesucht und genetisch untersucht. Schon bei dieser Stichprobe konnten annähernd 800 unterschiedliche Gämsen identifiziert werden. Da es jedoch bei Wildtieren nie möglich sei, die Bestandszahlen vollständig direkt zu erfassen, sei man auf die Herleitung der Populationsgröße mit Hilfe von statistischen Verfahren angewiesen. So konnten naturgemäß in den beiden 125 km² großen Forschungsgebieten nicht von allen im Untersuchungsgebiet lebenden Gamsen Kothäufchen gefunden werden.

Durch ein komplexes räumlich-explizites statistisches Verfahren wurde daher nachfolgend die wahrscheinliche Anzahl an nicht genetisch nachgewiesenen Individuen ermittelt. Dieses statistische Verfahren sei international anerkannt und werde weltweit von Biologen bei Bestandsschätzungen verschiedenster Tierarten verwendet. Die LWF sei dabei von verschiedenen renommierten Wissenschaftlern beraten worden, unter anderem einer bei dieser Berechnungsmethodik sehr erfahrenen norwegischen Forschungsgruppe.

Vom BJV ermittelte Bestandszahl für Bayern betrachtet LWF nicht für seriös

Die LWF weist zudem darauf hin, dass es wissenschaftlich nicht seriös sei, aus den Zahlen der Projektgebiete auf den gesamten bayerischen Alpenraum hochzurechnen. Das Rechenbeispiel aus der Pressemitteilung des BJV – noch dazu auf Basis allein der genetisch identifizierten Tiere – sei deshalb schlichtweg falsch.