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EU-Ökoverordnung

Was sich für Biobauern ändert

Bioschweine-Stroh-Auslauf
Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 07.01.2022 - 07:37

Ab diesem Jahr greift die neue EU-Öko-Verordnung, und bringt einige Verschärfungen, zum Beispiel in der Tierhaltung oder bei Kontrollen.

Ökolandbau-Mastelterntiere-Geflügel

Seit Jahresanfang gilt für Biobauern und Verarbeiter die neue EU-Öko-Verordnung. Allein in Deutschland müssen sich nach Angaben des Bunds für ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) über 50.000 Unternehmen sowie Kontrollstellen und Kontrollbehörden auf die neuen gesetzlichen Vorschriften einstellen. In Europa und weltweit sind es Millionen Bäuerinnen und Bauern sowie Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette, die direkt oder indirekt vom Gesetz-Update betroffen sind. 

Die EU-Öko-Verordnung bleibt ihren bewährten Grundsätzen treu – und hat sich dort, wo es wichtig ist, weiterentwickelt. An allen Stellen, an denen die Ernährungswirtschaft in der Breite nachhaltiger werden muss, sorgt die Öko-Verordnung dafür: Beim Anbau von Kulturpflanzen, in der Tierhaltung und bei der Herstellung von Lebensmitteln.

Das ist neu im Bio-Recht

  • Geltungsbereich erweitert: Auch „landwirtschaftsnahe Produkte“ wie Bienenwachs oder Leder können jetzt in Öko-Qualität zertifiziert werden. 
  • Verarbeitung: Nanostoffe sind in der Bio-Lebensmittelherstellung verboten. Die Regeln für den Einsatz von Aromen wurden verschärft: Sie müssen nun wenig verarbeitet und stärker ökologisch sein. 
  • Bodengebundener Anbau gesichert: Bio-Pflanzen müssen im gewachsenen Boden wachsen, das gilt jetzt auch für Unterglas-Anbau. Neu ist, dass Landwirte verpflichtend einen Anteil von Leguminosen in der Fruchtfolge haben müssen. Wieder zugelassen wurde in Deutschland der Bodenverbesser Bentonit.
  • Saatgutregeln stärken Prinzip „Bio von Anfang an“: Regeln für heterogenes und öko-gezüchtetes Material und eine Saatgutdatenbank sorgen für mehr Öko-Saatgut und setzen Anreize für die Öko-Züchtung. 
  • Neue Regeln in der Tierhaltung: Viele neue Vorschriften gibt es für die Bio-Geflügelhaltung. Elterntier-, Bruderhahn- und Junghennen-Haltung sind erstmals europäisch geregelt. Gänzlich neu sind Vorgaben für Hirsche und Kaninchen. In den Fütterungs-Vorschriften wird die Öko-Verordnung strenger und erhöht die Anteile an betriebseigenem bzw. Futter aus der Region: bei Pflanzenfressern von 60 auf 70 % ab dem Jahr 2024. Bei Schweinen und Geflügel von 20 auf 30 % ab 2022. Es bleibt, trotz zwischenzeitlicher Diskussionen, erlaubt, Mischfutter mit bestimmten Anteilen an Umstellungsware als öko-konform zu kennzeichnen.
  • Paradigmenwechsel beim Import: Galt bisher das Prinzip der Gleichwertigkeit, wird künftig Konformität herrschen – die Bio-Regeln müssen eins zu eins angewendet werden. 
  • Kontrolle weiter streng: Die Bio-Kontrolle findet weiter mindestens einmal jährlich statt, wird aber risikoorientierter gestaltet. Betriebe mit erhöhten Risiken müssen weiterhin mit einer höheren Zahl an zusätzlichen und unangekündigten Kontrollen vor Ort rechnen.  Betriebe, die als risikoarm gelten, können jedoch in jedem zweiten Jahr aus der Ferne überprüft werden.
  • Vorsorgemaßnahmen in allen Betrieben: Auch Landwirte, Händlerinnen und Importeure müssen nachweisen, dass sie gegen nicht erlaubte Stoffe vorsorgen. 

Weitere Änderungen auf einen Blick

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