Lieber Leser

Früher war nicht alles besser

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Sepp Kellerer
am Mittwoch, 31.10.2018 - 10:17

Die politische Landschaft ist bunter geworden, die alten Parteien erreichen die Mehrheit der Wähler nicht mehr.

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Früher war alles besser. Wie oft hören wir diesen Satz? Früher war alles besser, diesen Satz nehmen wir gerne auch selber in den Mund und wahrscheinlich umso öfter, je älter wir werden. Aber wie kommen wir eigentlich zu dieser Einschätzung? Vereinfacht ausgedrückt, weil sich die schönen, angenehmen Dinge und Erlebnisse eher in unser Gedächtnis einprägen als die unangenehmen, die werden einfach vergessen und verdrängt.

Früher war alles besser, das sagen derzeit sicher auch die beiden – früher großen –Volksparteien. Und das lässt sich auch mit Zahlen eindeutig belegen. Man braucht sich nur die Ergebnisse der letzten Wahlen, im Bund, in Bayern oder in Hessen anschauen. Da haben sie eine saftige Watschn erhalten. Anscheinend haben sie ihre Arbeit nicht so erledigt, wie die Bürger, die Wähler sich das gewünscht haben.

Aber eines fällt sowohl bei der Bayernwahl als auch bei der Hessenwahl dann doch auf. So richtig einen Wechsel wollen die Bürger auch nicht. In Bayern kann die CSU zwar nicht mehr alleine regieren, aber für das sogenannte bürgerliche Lager gibt es doch noch eine Mehrheit. In Hessen haben sich die Stimmenverhältnisse zwar auch deutlich verschoben, aber nach dem aktuellen Stand würde es für die bisherige Schwarz-Grüne-Regierung hauchdünn reichen, wenn sich die beiden Parteien denn wieder einigen könnten.

Festzuhalten bleibt andererseits aber auch: Die politische Landschaft ist bunter geworden, die alten Parteien erreichen die Mehrheit der Wähler nicht mehr. Kann man das überhaupt noch? Es wird wohl immer schwieriger. Ein Beispiel hat uns dazu auch die Landtagswahl in Bayern geliefert. Vergleicht man das Abstimmungsverhalten in den Städten mit dem auf dem Land, dann werden große Differenzen deutlich. Und das hat auch Auswirkungen auf Sie, liebe Leserinnen und Leser. Da können Sie mit noch so stichhaltigen Daten und Fakten belegen, dass früher eben nicht alles besser war, dass früher vieles sogar viel schlechter war, aber kriegt das die Zielgruppe mit, erfahren das die Städter, interessiert es sie überhaupt?

Ja, es interessiert sie. Warum sonst wäre „urban gardening“ sonst so hipp? Warum sonst ist „from nose to tail“ also die Verwertung des gesamten Tieres plötzlich wieder in? Da ist Bewegung drin. Die Landwirtschaft bewegt sich ebenfalls, da brauche ich nur durch unser Heft zu blättern. Vielleicht kommen wir ja wieder näher zusammen.