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Biodiversität

Freie Bauern fordern mehr Augenmaß

Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 12.08.2021 - 10:07

Mehr Artenschutz in Europa kann auch Nachteile für Regenwälder in Südamerika bedeuten. Ablehnung von Flächenstilllegungen und Bewirtschaftungsauflagen.

Hecken-Agrarlandschaft

Nach Auffassung der Interessenorganisation Freie Bauern nützt mehr Biodiversität nicht automatisch der Umwelt. Sie kritisiert die Forderung nach mehr Biodiversität in der Landwirtschaft als großes ökologisches Missverständnis kritisiert. „Für die Umwelt bringt es rein gar nichts, wenn wir unsere Landwirtschaft in eine Gänseblümchenwiese mit Streichelzoo verwandeln und die Lebensmittel kommen aus dem brennenden Regenwald“, sagte Peter Guhl von der Bundesvertretung der Freien Bauern.

Ökologisch richtig sei vielmehr eine möglichst umfassende Selbstversorgung aus heimischer Erzeugung. Die Herausforderung bestehe darin, Artenvielfalt in eine hochproduktive Kulturlandschaft zu integrieren, argumentiert der 56jährige Milchviehhalter aus Vorderhagen in Mecklenburg-Vorpommern: „Neue Naturschutzgebiete, Blühflächen und Vernässungen brauchen wir dafür definitiv nicht.“

Freie Bauern für freiwillige Programme

Dass die Biodiversität durch Flurbereinigung und Komplexmelioration in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Schaden genommen habe, bestreitet Guhl nicht. Allerdings seien dies staatliche Programme gewesen, die Artenvielfalt zurückgedrängt habe, die erst durch Landwirtschaft entstanden sei. 

Durch freiwillige Programme für die Neupflanzung von Hecken und Baumreihen könnten derzeit monotone Agrarstandorte aufgewertet werden, regt Guhl an, Er warnt davor, die Landwirtschaft weiter einzuschränken: „Bewirtschaftungsauflagen oder Flächenstilllegungen führen zu noch mehr Abhängigkeit von Importen und zu Umweltzerstörung anderswo.“

Um Biodiversität auf verantwortliche Weise zu erhöhen, fordert die Interessenorganisation eine gute Mischung von intensiv und extensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen, naturbelassenen Biotopen und einem Biotopverbundsystem aus Gehölzstreifen und Wasserläufen, das die Landschaft durchzieht.