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Forstpolitik

Forst: Brunner und Kaniber über Kreuz

Diskussion
Alexandra Königer
Alexandra Königer
am Freitag, 10.01.2020 - 18:02

Bayerns ehemaliger Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) hat die Forstpolitik der neuen Staatsregierung kritisiert. Seine Parteikollegin, Agrarministerin Michaela Kaniber, weist die Kritik zurück und kündigt Weichenstellungen an, die „weit über Entscheidungen vergangener Zeiten hinausgehen“.

Dass sich ein Ex-Minister ins politische Tagesgeschäft einmischt, kommt selten vor – und bei derzeit in der Verantwortung stehenden Politikern nicht gut an. Brunner hat sich Gefährten an die Seite geholt, als er am Freitagnachmittag in München zur Pressekonferenz einlädt: Auch der Staatsminister a.D. und ehemalige Forstdirektor Eberhard Sinner und der frühere WBV-Geschäftsführer Hans Baur sind da. Wissenschaftlichen Beistand gibt es von Prof. Reinhard Mosandl, aus Österreich ist Pater Johannes Wohlmacher vom Stift Schlägl gekommen.

Sie alle eint eine Sorge: Der miserable Holzpreis führt zur Resignation bei den Waldbesitzern. Oft lohne sich die Aufarbeitung von Schadholz nicht mehr, sondern werde zum Draufzahlgeschäft. Daher fordern die versammelten Herren, die sich als „Initiativgruppe“ bezeichnen, mehr Einsatz der Staatsregierung für den Wald und seine Besitzer.

„Irritiert“ hätten zudem viele Waldbesitzer auf die Ankündigung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) reagiert, die Bayerischen Staatsforsten sollen zum „Klimawald“ werden und keine Gewinne mehr erwirtschaften müssen. Ein Punkt im neuen Konzept: Wertvolle, alte Flächen aus der Nutzung nehmen. Das war es wohl, was bei Brunner die Alarmglocken schrillen ließ. Mehrfach sagte er in München: „Wer vom Klimawald spricht, muss wissen, dass man nicht mit der Stilllegung der Flächen das Ziel erreicht, sondern mit einem nachhaltig bewirtschafteten Wald.“ Nur wenn das Holz aus dem Wald genutzt werde und nicht verrotte, binde es CO2. Auch zum Heizen müsse Holz stärker gefördert werden, da so der Verbrauch fossiler Brennstoffe sinke. Es sei falsch, für den Klimaschutz mehr Wälder stilllegen zu wollen.

Contra von Kaniber

Forstministerin Michaela Kaniber betonte in einer Stellungnahme, „offensichtlich“ habe Brunner „die Pläne missverstanden“. „Dass verantwortungsvoll bewirtschaftete Wälder mehr für den Klimaschutz bringen als stillgelegte ist eine Allerweltsweisheit", so die Ministerin. Es sei aber auch notwendig, einige ökologisch besonders wertvolle Staatswälder der Natur zurück zu geben.

Für Brunner ist es zwar „edel“, Bäume zu pflanzen, aber es reiche nicht. „Wir brauchen massive Werbung für die Verwendung von Holz als Dämm-, Bau- und Brennstoff“, sagte Brunner. Bayern habe ein Bauministerium und drei staatliche Wohnungsbaugesellschaften, aber kein Holzbauprogramm. Die öffentliche Hand habe eine Vorbildfunktion. „Bei Holz als Baustoff würden wir uns Regelungen erwarten“, so der Ex-Minister. Seinen Vorstoß sieht er weniger als Kritik an der Staatsregierung, sondern „eher als Impuls oder Ratschlag, wie man Bayern als Waldland weiterentwickeln kann“. Hinter diesem Impuls steckt eine handfeste Forderung: Eine Milliarde Euro in den nächsten zehn Jahren, für den Waldumbau, Forschung, Förderung und gezielte Beratung.

„Ich erstelle gerade ein zukunftsweisendes Programm, das Klimaschutz, Artenschutz, Waldbewirtschaftung und Holzverwendung in bestmöglichen Einklang bringt. Die Staatsregierung wird Weichenstellungen vornehmen, die weit über Entscheidungen vergangener Zeiten hinausgehen", sagte Kaniber. Dazu gehöre auch, dass den Waldbesitzern deutlich attraktivere Anreize für den klimafesten Umbau ihrer Wälder geboten werden. Zudem will die Ministerin in den kommenden Wochen eine Initiative starten, um das Bauen mit Holz noch schneller voran zu bringen. Dazu sei bereits im Februar ein Runder Tisch mit wichtigen Akteuren aus dem Sektor Forst und Holz geplant.