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Klimabilanzen

Flughafen: Klimaneutral geht nicht

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Sepp Kellerer
Sepp Kellerer
am Donnerstag, 18.11.2021 - 16:44

Der Flughafen München möchte bis 2030 klimaneutral werden. Dazu braucht er den Wald als Treibhausgas-Speicher.

60 Prozent Einsparpotenzial

Chefredakteur

Der Flughafen München möchte bis 2030 klimaneutral werden. Aus Sicht der Land- und Forstwirtschaft ein richtiger Ansatz, leiden doch die Äcker, die Wiesen und die Wälder unter der Erderwärmung. 60 Prozent der derzeit emittierten Treibhausgase möchten die Flughafenbetreiber durch Maßnahmen an den Gebäuden, am Fuhrpark und so weiter einsparen. Ein ehrgeiziges Ziel, aber wenn es mutig angepackt wird, durchaus erreichbar. Viel Erfolg!

Waldumbau entlastet Flughafen

Und was ist mit den übrigen 40 Prozent? Die werden quasi zugekauft. Zum Beispiel durch ein Klimawaldprojekt mit einem Waldbesitzer, der rund 1900 ha Waldfläche klimatolerant umbaut. Das Interessante dabei: Es handelt sich um einen Wirtschaftswald die CO2-Speicherung erfolgt über die Holzproduktion und das Treibhausgas soll in den Holzprodukten über die Holzernte hinaus gespeichert werden. Der Flughafen bezahlt dem Waldbesitzer auf Basis der neutral ermittelten Kohlenstoffspeicherung ein Entgelt und darf die Speicherleistung dann bei sich verbuchen.

Also noch einmal kurz zusammengefasst: Die Flughafen GmbH kann als Unternehmen selber nicht klimaneutral werden. Aber sie kann Speicherleistung zukaufen, so dass die Bilanz ausgeglichen ist.

Wem gehört der Erfolg?

Es ist schon bemerkenswert, wenn Leistungen, die Waldbesitzer erbringen und bisher für maximal einen warmen Händedruck erbracht haben, jetzt auch in Wert gesetzt werden können. Und dennoch habe ich da Bauchschmerzen und ein paar Fragen. Wenn die Speicherleistung des Waldes in der Bilanz des Flughafens auftaucht, wie sieht dann die Bilanz des Waldes aus? Können Unternehmen, die das Kapital haben, große Mengen Speicherleistung einzukaufen, dann in den eigenen Anlagen weiterwursteln wie bisher? Das wäre dann fast sogenanntes Greenwashing.

Ich hoffe, das praktische Beispiel am Flughafen kann beitragen, diese Fragen zu klären. So lange bleibe ich am Boden – im wahrsten Sinne des Wortes, denn das Projekt bezieht sich nur auf den Flughafen, nicht auf die Flieger. Aber vielleicht frage ich später mal bei dere Lufthansa, ob sie mir nicht meinen Waldumbau finanziert. Der Bezug wäre da: Die fliegen da jetzt schon drüber!
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