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Verlust an Agrarflächen

Flächenverbrauch geht in Bayern leicht zurück

Straßenbau-Bayern
Josef koch
Josef Koch
am Dienstag, 20.09.2022 - 15:10

2021 beträgt der Flächenfraß aber noch immer mehr als 10 ha täglich. Alle drei Tage verschwindet Fläche eines Bauernhofs.

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Der Flächenverbrauch in Bayern sinkt. Und zwar von 11,6 ha auf 10,3 ha pro Tag. Das geht aus den aktuellen Daten des Bayerischen Landesamts für Statistik hervor. Der tägliche Flächenverbrauch bezieht sich auf die jährliche Veränderung der Siedlungs- und Verkehrsfläche jeweils zum Stichtag 31. Dezember.

Ein sinkender Trend beim Flächenverbrauch stellt sich aber noch nicht ein. Zwischen2018 und 2010 stieg der Flächenverbrauch von 10 ha auf 11,6 ha täglich an. 2016 betrug er dagegen nur 9,8 ha täglich.

Gegenüber dem Vorjahresstichtag nahm laut Landesamt die Siedlungs- und Verkehrsfläche um 3757 ha oder 0,4 %. Insgesamt liegt der Anteil dieser Flächen nun in Bayern bei 12,2 % oder 863.192 ha. Von den 2021 neu beanspruchten Flächen entfallen rund 14 % auf Freiflächenphotovoltaikanlagen.

Knapp die Hälfte sind Agrarflächen

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Knapp die Hälfte der Gesamtfläche Bayerns (46,1 %) wurden Ende 2021 landwirtschaftlich genutzt. Ein weiteres gutes Drittel besteht aus Wald (35,3 Prozent). Beim Rest handelt es sich um sonstige Flächen, wie Sümpfe und Moore, Wasserflächen und Abbauland.

Da Siedlungs- und Verkehrsflächen in erheblichem Umfang auch Grün- und Freiflächen umfassen, kann der Flächenverbrauch laut Statistiker nicht mit Versiegelung (Überbauung, Betonierung, Asphaltierung o. a.) gleichgesetzt werden. So umfassen beispielsweise Flächen, die dem Wohnbau oder der Industrie- und dem Gewerbe zugerechneten werden, neben den bebauten auch alle zugehörigen (unbebauten) Freiflächen. Hierzu zählen zum Beispiel Hofräume, Spielplätze, Grünflächen oder Stellplätze.

Untersuchungen des Landesamts für Umwelt weisen darauf hin, dass der Versiegelungsgrad bei etwa 51 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsfläche liegt.

Große Regionale Unterschiede

In den Regierungsbezirken liegt der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche an der jeweiligen Gesamtfläche zwischen 11,1 % in der Oberpfalz und 13,9 % in Mittelfranken.

Am deutlichsten wächst im Jahr 2021 die Siedlungs- und Verkehrsfläche mit einem Plus von 0,7 % oder 887 ha in Niederbayern. Mit rund 907 ha oder 0,4 % Wachstum ist absolut gesehen der Landfraß in Oberbayern jedoch am größten.

Die kleinste Zuwachsrate errechnen die Statistiker mit 0,2 % oder 220 ha für den Regierungsbezirk Unterfranken. Täglich gehen dort 0,6 ha für die Bauern verloren. Ähnlich niedrige Werte kann Oberfranken vorweisen. Hier betrug der Flächenverbrauch im vergangenen Jahr etwa 297 ha, oder 0,8 ha pro Tag. Das entspricht rund 0,3 % Wachstum.

Grüne fordern Pflichtwert

Für den grünen Fraktionsvorsitzenden Ludwig Hartmann ist der Flächenverbrauch damit „weiter doppelt so viel, wie sich die Söder-Regierung selbst als Ziel gesetzt hat“. So gilt als Richtschnur 5 ha täglich. Er fordert einen Pflichtwert statt eines freiwilligen Richtwerts.

„Gerade gegenüber unseren Landwirtinnen und Landwirten ist es unsere Pflicht, die tägliche Betonflut endlich verbindlich einzudämmen“, so der Grüne. Alle drei Tage verliere der Freistaat die landwirtschaftliche Nutzfläche eines durchschnittlichen bayerischen Landwirtschaftsbetriebs, also die Existenzgrundlage einer bäuerlichen Familie. Hartmann: „Das darf so nicht weitergehen“.

Aiwanger: Bewusstsein zum Flächensparen ersichtlich

Nach Ansicht von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) zeigt der leichte Rückgang des Flächenverbrauchs, dass ein Bewusstsein für eine effiziente Nutzung der Ressource Fläche vorhanden sei. „Trotzdem müssen wir die Wirtschaft am Laufen halten und dürfen nicht jede Entwicklungsmöglichkeit abwürgen,“ so der Wirtschaftsminister. Die Staatsregierung wolle mit Fläche sparsam umgehen, müsse aber gleichzeitig gegen Wohnungsnot vorgehen, Gewerbeflächen für Unternehmen bereitstellen, die Energiewende voranbringen und Verkehrswege optimieren. „Mit diesem Zielkonflikt müssen wir offen umgehen und Lösungswege sorgfältig abwägen“, so Aiwanger. Auch der Ausbau der erneuerbaren Energien durch PV-Anlagen koste Fläche, merkt er an. „Deshalb wollen wir noch mehr auf Agri-PV und Dach-PV setzen.“

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