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Der Wolf und die Weidetiere

Fitness-Halsbänder für Schafe statt Abschuss der Raubtiere?

Schafe im Nebel auf der Alm
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Redaktion Wochenblatt
am Samstag, 14.05.2022 - 09:00

Der Konflikt um den Wolf nimmt kein Ende. Nun ist ein neuer Vorschlag auf dem Tisch, um Weidetiere zu schützen. Er wirkt etwas absurd.

Die Zahl der Wolfsrisse steigt, trotz immer mehr Abwehrmaßnahmen. Weidetierhalter werden mürbe und denken ans Aufgeben, Wolfsbefürworter sehen kein Problem, die Politik muss Lösungen finden. Ganz besonders auf den Almen und Alpen, aber auch an Deichen und an der Küste in Norddeutschland ist der Herdenschutz eine sehr schwierige Herausforderung.

Dort dürfen sogenannte Problemwölfe immer wieder mit Ausnahmegenehmigung entnommen werden. Ein Bestandsmanagement, das einen präventiven Abschuss erlaubt, damit die Zahl der Rudel klein bleibt, ist allerdings nicht mit dem EU-Recht vereinbar. Wolfsfreie Zonen etwa entlang der Deiche sind daher nicht machbar, auch in den Alpen wird es früher oder später keine Alm mehr geben, die nicht vom Wolf bedroht ist. Josef Tumbrinck, Unterabteilungsleiter Naturschutz im Bundesumweltministerium (BMU), brachte nun eine neue Idee für den Herdenschutz ins Spiel.

Vitalhalsbänder sollen Halter rechtzeitig warnen

Tumbrinck nannte Vitalhalsbänder mit GPS-Sendern, die einigen Schafen in der Herde umgelegt werden könnten. Über diese könnten Schäfer gewarnt werden, wenn unter den Schafen etwa wegen eines Wolfsangriffs Panik ausbreche oder die Wiederkäuer aus ihrer abgesteckten Fläche ausbrechen. Das Bundesumweltministerium setze darauf, dass in den kommenden Jahren für den Herdenschutz mit technischen Entwicklungen viel zu erreichen sei. Zäune könnten nicht immer höher werden, so Tumbrinck.

Fitnessprogramm für Schäfer

Die CDU in Niedersachsen reagierte wenig begeistert auf den Vorschlag. Das Bundesumweltministerium müsse Lösungen für wolfsfreie Zonen finden und nicht Schäfer mit Vitalhalsbändern zum Fitnessprogramm zwingen, meinte dazu der niedersächsische CDU-Abgeordnete Martin Bäumer. Und weiter: "Wir erwarten, dass Berlin konstruktive Lösungen präsentiert“. Der Vorschlag zeige, wie weltfremd und abgehoben das BMU inzwischen sei. 

Aus der Sicht bayerischer Alm- und Alpbauern wirkt der Vorschlag erst recht absurd. Die Bauern und Bäuerinnen dürften jedenfalls kaum erfreut sein, wenn sie bei Tag und bei Nacht auf ihre hochgelegenen Weiden müssen und dort nach dem Rechten sehen dürfen. Allenfalls bei hofnahen Weiden, etwa vor und nach der Alm-/Alpsaison dürften solche Versuche eine Erfolgsaussicht haben.  

Mit Material von Mit Material von Land&Forst, dem Wochenblatt in Niedersachsen.