Waldbewirtschaftung

Fichteneinschlag: Lehrstunde für Aiwanger

Josef Koch
Josef Koch
am Montag, 03.05.2021 - 15:57

Die Holzpreise steigen, aber Waldbauern haben beim Fichteneinschlag eine Obergrenze. Kommt eine Bagatellgrenze?

Aiwanger Hubert

Die Forderung von Hubert Aiwanger (FW), Wirtschaftsminister in Bayern, die Begrenzung des Fichteneinschlags wieder zurückzunehmen, löst in CSU-Kreisen und bei Waldbauern Kopfschütteln aus. Auch im Berliner Agrarministerium (BMEL) ist man erstaunt. „Der bayerische Wirtschaftsminister opponiert hier gegen eine Verordnung, die das eigene Bundesland auf den Weg gebracht hat“, so eine BMEL-Sprecherin auf Wochenblattnachfrage.

Die Bundesverordnung, die der Bundesrat am 26. März auf Drängen mehrere Bundesländer verabschiedet hat und Ende April in Kraft trat, ist aber unter den Waldbauern ebenfalls heftig umstritten. Bei den derzeit steigenden Holzpreisen fürchten sie vor allem in der zweiten Jahreshälfte eine deutliche Verknappung am Holzmarkt, weil dann die Begrenzung des Fichteneinschlags voll am Markt durchschlagen werde.

Das befürchtet Aiwanger, selbst Waldbauer, auch. Daher soll der Bund „die Einschlagbegrenzung schnellstmöglich wieder kippen“, fordert Aiwanger. „Sie war wegen des überschüssigen Käferholzes gut gemeint, ist aber von der aktuellen Entwicklung am Holzmarkt überholt und stört massiv die Märkte“, so der Wirtschaftsminister.
 

Wirtschaftsminister wusste frühzeitig Bescheid

Kaniber-Video-PK

Ganz anderer Meinung ist da seine Kabinettskollegin aus dem Forstministerium.  „Der Markt vor der Säge ist ein anderer als der Markt nach der Säge“, erklärte Forstministerin Michaela Kaniber (CSU). Der Handel zwischen Waldbesitzern und Sägewerken mit Rundholz war im letzten Jahr noch von einem großen Überangebot geprägt. Die jetzige Situation habe deshalb nichts mit der Beschränkung des Holzeinschlags zu tun, belehrt Kaniber den Wirtschaftsminister.

Die Beschränkung sei beschlossen worden, um die Preise für frisch geschlagenes Holz zu stabilisieren. Die Bayerische Staatsregierung habe sich erfolgreich für eine Verkürzung der Laufzeit der Bundesverordnung bis Ende September und eine Ausweitung des Holzeinschlags von 70 auf 85 Prozent eingesetzt.

„Das wissen auch alle bayerischen Ministerien durch die Beteiligung im Vorfeld der Bundesratsentscheidung,“ erinnert Kaniber. Eine Initiative zur Änderung der Bundesverordnung ist nach Kanibers Meinung nicht rasch umzusetzen und stößt auf Widerstände anderer Länder. Auch würden viele private Waldbesitzer erhebliche steuerliche Vorteile im Forstschaden-Ausgleichsgesetz verlieren.

Bagatellgrenze im Gespräch

Da die Knappheit von Holz auf dem bayerischen Bau vor allem mit den Exporten der Sägewerke ins Ausland zusammenhängt, braucht es jetzt laut Kaniber die Solidarität der deutschen Sägeindustrie mit den heimischen Zimmereien und Baufirmen. Dazu seien langfristige, verlässliche regionale Lieferketten und faire Preise für Bauherren und für Bayerns Waldbesitzer nötig.

„Ich bin mir sicher, dass auch der Wirtschaftsminister seiner Verantwortung gerecht wird und entsprechende Gespräche mit der Sägeindustrie führen wird,“ hat Kaniber gleich eine Hausaufgabe für ihren Kabinettskollegen parat. Sie betont, den Aufbau langfristiger regionaler Handelsbeziehungen unterstützen zu wollen. Um die Situation unbürokratisch zu entschärfen, schlägt die Forstministerin vor, eine Bagatellgrenze bei Kleinwaldbesitzern einzuführen. Kleinbetriebe werden bei den aktuellen Vollzugsvorschriften derzeit nämlich besonders belastet. Aiwanger fordert das Aussetzen des Gesetzes, wenigstens für Waldbesitzer bis 50 ha.

„Was auf keinen Fall eintritt, ist eine Knappheit bei Pizzaschachteln. Branchenkenner wissen, dass diese zu einem erheblichen Teil aus Altpapier hergestellt werden“, beruhigt Kaniber ihren Kollegen aus dem Wirtschaftsressort. Dieser befürchtet, dass das für die Herstellen von Papier und Pappkarton (Verpackungsmaterial wie Pizzaschachteln) ebenfalls stark nachgefragte „Papierholz“ aus jungen Fichtenbeständen ebenfalls kaum mehr geerntet werden dürfe. Dabei müssten die Bestände dringend durchforstet werden, um sie gesund zu erhalten.