Gesetzgebung

Ferkelkastration - kalte Dusche in der heißen Phase?

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Sepp Kellerer
am Donnerstag, 20.09.2018 - 09:04

Die Mittel, die bei Tieren zur örtlichen Betäubung eingesetzt werden, sind übrigens die gleichen wie beim Menschen.

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Eine heiße Phase hatten wir heuer wörtlich genommen überdurchschnittlich lange. Temperaturen von 30 Grad und mehr noch Mitte September, das ist schon bemerkenswert. Die heiße Phase für die Ferkelerzeuger dauert aber noch viel länger. Es ist schon ein paar Jahre her, dass im Tierschutzgesetz festgelegt wurde, dass die betäubungslose Ferkelkastration zum 1. Januar 2019 nicht mehr erlaubt sein wird. In der heißen Phase bei der Tierschutznovelle konnte noch der Begriff wirksame Schmerzausschaltung im Gesetz verankert werden.

Aber genau dieses Thema hat dann eher nur geschwelt, als dass es weiter heiß gekocht worden wäre. Warum, das müssen sich bestimmt einige der beteiligten Stellen fragen bzw. fragen lassen, nicht aber der Berufsstand. Er hat von Anfang an entsprechende Initiativen, entsprechende Forschungsvorhaben und Untersuchungen gefordert und ist dabei weitgehend auf taube Ohren gestoßen. Erst peu à peu haben die Schlachtbranche und der Lebensmittelhandel gemerkt, dass die Alternativen wie Ebermast, Immunokastration oder Vollnarkose dann doch nicht der Weisheit letzter Schluss sind.

Bevor ich jetzt mit heißer Nadel an dem Text weiterstricke, sollte ich vielleicht kurz innehalten. Was heißt eigentlich wirksame Schmerzausschaltung? Ich übersetze das mal ganz einfach: Das heißt örtliche Betäubung. Das ist eine Methode, die bei Heimtieren und bei Pferden gang und gäbe ist. Nur bei Tieren, die Lebensmittel liefern, gibt es keine oder kaum zugelassene Mittel für die örtliche Betäubung. Das hat mit der Rückstandsthematik zu tun.

Die Mittel, die bei Tieren zur örtlichen Betäubung eingesetzt werden, sind übrigens die gleichen wie beim Menschen. Und in der Humanmedizin gibt es ganz klar einen Trend hin zur Lokalanästhesie. Wenn jetzt in der heißen Phase der Entscheidung Zweifel geäußert werden, dass die Schmerzausschaltung bei der örtlichen Betäubung wirklich wirksam ist, dann kann ich nur entgegnen: Fragen Sie doch die Menschen, die beim Zahnarzt eine schmerzstillende Spritze bekommen, oder fragen Sie jemanden, der sich in den Finger geschnitten hat und dann mit örtlicher Betäubung genäht werden muss. Menschen können nämlich antworten.

Wir werden von der heißen Phase leider kalt erwischt, denn heute, wenn Sie das Heft auf den Tisch bekommen, entscheidet der Bundesrat, wie es weitergeht mit der Ferkelkastration. Wir hoffen, dass die heiße Phase nicht mit einer kalten Dusche für die Ferkelerzeuger endet.