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Schweinehaltung

Felßner: Für Schweinehalter ist es fünf nach zwölf!

Schweinehalter-Ferkel
Josef koch
Josef Koch
am Dienstag, 25.10.2022 - 12:36

Auf dem Veredelungstag werden die Sorgen der bayerischen Tierhalter deutlich. Schweinebauern brauchen dringend wirtschaftliche Perspektiven.

Der Strukturbruch ist keine Sorge, sondern bereits bittere Realität. Das stellte der neue BBV-Präsident Günther Felßner auf dem heutigen DBV-Veredelungstag (24.10.) im niederbayerischen Essenbach im Landkreis Landshut klar.

„Ich will nicht, dass wir auf dem Papier die höchsten Vorgaben dieses Planeten für die Schweinehaltung haben, aber keine Betriebe mehr, die unter diesen Vorgaben wirtschaften können und somit das Fleisch aus Drittländern importiert werden muss“, appelliert er an Bundesagrarminister Cem Özdemir in Berlin.

Unter dem Motto des Veredelungtages „Veredelungswirtschaft unter Druck – Worauf kommt es jetzt an?“ diskutieren Experten der Schweinbranche die politischen, ökonomischen sowie gesellschaftlichen Herausforderungen für Schweinehalter. Gemeinsam mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Vermarktung erörtern sie mögliche Lösungsansätze.

Dramatischer Strukturwandel in Bayern

Felßner indes macht sich derzeit große Sorgen um die Zukunft der Tierhaltung in Bayern und ganz besonders um die der Schweinehalter. In den letzten zwölf Jahren habe Bayern 53 % der Schweinehalter verloren, die Zahl bayerischer Schweine reduzierte sich um knapp 30 %. „In der Schweinehaltung ist es bereits fünf nach zwölf!“ warnte er.

Die Politik müsse jetzt endlich handeln und Perspektiven für die bäuerlichen Familienbetriebe schaffen. Nach Felßners Ansicht braucht nun ein politisches Gesamtkonzept wie es die Borchert-Kommission vorgelegt hat: Erhöhung des Tierwohls bei gleichzeitiger Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe. „Die Versorgung der Bürger mit hochwertigen, tierischen Lebensmitteln aus Bayern muss auch in Zukunft gesichert sein!“, so der BBV-Präsident.

Der deutsche Bauernpräsident Joachim Rukwied ergänzt die Forderungen aus Bayern: „Der Umbau der Tierhaltung muss zwingend durch langfristige Verträge gesichert werden. Und auf die Haltungskennzeichnung muss zwingend auch eine Herkunftskennzeichnung folgen. Sonst kommen wir beim Tierwohl nicht voran und die Schweinehaltung wird noch weiter ins Ausland verlagert.“

Tierwohl-Label als Einladung zur Verbrauchertäuschung gesehen

Und die Kritik der Berufsvertretung am aktuellen Gesetzentwurf zur Haltungskennzeichnung wiederholt sich auf dem Veredelungstag. „Der Entwurf weist handwerklich erhebliche Schwächen auf, mit denen die angestrebte Wirkung nicht nur verfehlt, sondern in Teilen sogar konterkariert wird“, so DBV-Veredlungspräsident Hubertus Beringmeier. Beispielsweise ist die Sauenhaltung nicht berücksichtigt. So können Schweine und Schweinefleisch mit anderen Standards aus dem Ausland in den heimischen Markt importiert werden und würden das Tierwohllabel erhalten. Beringmeier sieht darin eine „Einladung zur Verbrauchertäuschung“. Dieser Entwurf müsse jetzt im parlamentarischen Verfahren noch deutlich nachgebessert werden.

Gastronomie und Verarbeitungsware fehlen

Zudem befürchtet der DBV-Veredlungspräsident eine erhebliche bürokratische Mehrbelastung. Weder ein Anschluss an vorhandene amtliche Meldesysteme noch an private Qualitätssicherungssysteme soll nach dem Gesetzesentwurf hergestellt werden soll. Außerdem sei der Anwendungsbereich nicht weitreichend genug gestaltet. Dringend müsse auch der Bereich der Verarbeitungsware und neben dem Lebensmitteleinzelhandel auch Verarbeiter, Großverbraucher sowie Gastronomie mit einbezogen werden, fordert Beringmeier.