Gemeinsame Agrarpolitik

Farm to Fork: Milchindustrie sieht Besserungsbedarf

Milchglas
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Donnerstag, 25.11.2021 - 11:36

Um die klimatischen Ambitionen nicht wieder zunichtezumachen, ist die Einführung von Standards für die Nachhaltigkeit von importierten Lebensmitteln notwendig.

Bei der Umsetzung der Farm-to-Fork Strategie muss vermehrt auf die wirtschaftliche Nachhaltigkeit aller Maßnahmen geschaut werden, weil ohne sie eine Transformation nicht funktionieren kann. Darauf weist Amelie de Grahl, Leiterin des Büros des Milchindustrieverbandes in Brüssel im aktuellen Milch-Politikreport hin.

Die Molkereien im europäischen Raum seien in puncto Nachhaltigkeit bereits gut aufgestellt. Damit einher gehen aber auch Investitionen und höhere Kosten, was notgedrungen zu höheren Lebensmittelpreisen führen wird. Einige Verbraucher werden bereit sein, diesen Mehrwert zu bezahlen, andere jedoch nicht. Daher sei es wichtig, dass Nachhaltigkeitsmaßnahmen freiwillig bleiben und durch entsprechende Anreize unterstützt werden, damit langfristig alle Unternehmen, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen, auf dem Prozess mitgenommen werdenVorleistungen seien aber stest mit

Nachhaltigkeit darf sich nicht als Wettbewerbsnachteil erweisen

Wenn die EU ihre Nachhaltigkeitsstandards erhöht, kann dies das wirtschaftliche Aus am Weltmarkt bedeuten, weil europäische Produkte für den globalen Handel zu teuer werden. Außerdem bestünde das Risiko einer Produktions- und damit CO2 -Verlagerung ins Ausland, was aus wirtschaftlicher und klimatischer Sicht kontraproduktiv wäre. "Ob sich unsere globalen Handelspartner auf eine parallele Anhebung ihrer Standards einlassen, ist zweifelhaft" gibt de Grahl zu bedenken.

Auf jeden Fall notwendig ist die Einführung von Nachhaltigkeitsstandards für importierte Lebensmittel, um die Klima-Ambitionen der EU nicht wieder zunichtezumachen. Das könnte sich zwar WTO-rechtlich als schwierig erweisen, aber sei nun einmal erforderlich.

Auch die Neuverhandlung existierender Freihandelsabkommen, um entsprechende Nachhaltigkeitskapitel zu integrieren, seien begrüßenswert, diplomatisch und wirtschaftlich aber eine große Herausforderung. Somit stelle sich auch unter diesem Aspekt die Frage, wie nachhaltig die Farm to Fork Strategie für die EU als Handelsmacht sein wird.

Folgenabschätzung muss her

Der Verband schließt sich der Forderung von Mitgliedstaaten, Wirtschaftsakteure und Verbände an, dass die Kommission endlich eine Folgenabschätzung vorlegen müsse. So haben Wissenschaftler festgestellt, dass die Maßnahmen zu erheblichen Produktionsrückgängen in der EU führen werden mit weiteren Auswirkungen auf Preise und Handel. Das hätte wiederum enorme Auswirkungen auf die europäische Milch- und Ernährungswirtschaft.

Die Folgenabschätzung müsse umfassend und kumulativ erfolgen, also alle von der Farm-to-Fork verfolgten Ziele (inkl. die der Biodiversitätsstrategie) einschließen, um die Auswirkungen auf die Landwirtschaft und Ernährungsproduktion in der EU allumfassend zu bewerten. Ein nachhaltiges Ernährungssystem könne nämlich nur erfolgreich funktionieren, wenn es von den Unternehmen wirtschaftlich mitgetragen werde.