EU-Agrarpolitik

Farm-to-Fork: EU kündigt umfassende Folgenabschätzung an

Josef Koch
Josef Koch
am Mittwoch, 13.10.2021 - 09:01

Die neue Studie soll aber erst Ende 2022 vorliegen. Zuvor sollen die Strategiepläne zur Agrarreform fix sein.

EU-Kommission-Gebäude

Bei der Diskussion im Agrarausschuss des Europaparlaments kündigte die EU-Kommission eine umfassende Folgenabschätzung der "Farm to Fork"-Strategie (Vom Hof auf den Tisch) für die zweite Hälfte des kommenden Jahres an. Erst wenn die nationalen Strategiepläne der EU-Mitgliedstaaten feststünden, könnten die Auswirkungen der Strategie ausreichend analysiert werden, erklärte Kommissionsvertreter Tassos Haniotis und vertröstete die wartenden Europaabgeordneten auf das Ende des Jahres 2022.

Im Mittelpunkt des Meinungsaustausches stand jedoch die erste Folgenabschätzung. Danach würden die ins Auge gefassten Umwelt- und Klimaauflagen die Produktion von Getreide und Ölsaaten in der EU bis 2030 um 10% vermindern. Die tierische Erzeugung werde in den kommenden Jahren etwas stärker, und zwar um 15% zurückgehen. Es sei keine vollständige Folgenabschätzung für die "Farm to Fork"-Strategie, erklärte Haniotis.

Kommission hält Folgen für überschaubar

Die vorliegende Studie des Joint Research Centers (JRC) habe lediglich die Folgen für die Landwirtschaft unter die Lupe genommen. Veränderte Verzehrgewohnheiten oder die Vermeidung von Abfällen fehlten noch in der Analyse. "Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Strategie sind überschaubar", resümierte Haniotis.

"Wie ernst nimmt die EU-Kommission ihre eigenen Wissenschafter?", fragte sich die österreichische Abgeordnete Simone Schmiedtbauer von den Christdemokraten. "Die EU-Kommission hat die JRC-Studie in die ruhige Sommerpause vorgelegt, damit sie ja niemand lesen wird", kritisierte der italienische Christdemokrat Herbert Dorfmann.

Die Fleischpreise würden laut Folgenabschätzung um rund 15% anziehen, wenn besonders der intensiven Viehhaltung in der EU engere Grenzen gesetzt werden. Wegen der folglich steigenden Fleischpreise erhöhten sich die Umsätze und die Einkommen der Landwirte, geht aus der Studie hervor. Die Ackerbauern dagegen müssten leichte Verluste hinnehmen.

Die Treibhausgase aus der Landwirtschaft verminderten sich nach der JRC-Studie um 28% bis 2030. Allerdings könnte der Effekt für den Klimaschutz durch zunehmende Importe von Lebensmitteln aus Drittländern wieder konterkariert werden.

Diskurs zwischen Grüne und Konservative

Schmiedtbauer sieht den EU-Agrarsektor durch die "Farm to Fork"-Strategie vor immense Herausforderungen gestellt. Die Preise stiegen, die Einkommen der Landwirte würden teils sinken, Lebensmittel aus aller Welt eingeflogen und eingeschifft, fasste sie die JRC-Studie zusammen. Sie forderte die EU-Kommission auf, Lücken bei den Importregeln zu schließen, damit der Umweltschutz in der EU nicht unterlaufen werde.

Dorfmann bezweifelt, ob die Konsumenten wirklich mehr Geld für Fleisch ausgeben würden. "Was der Konsument behauptet und wie er sich im Geschäft verhält, passt nicht immer zusammen", erklärte der Abgeordnete. Für ihn bedeuten die Produktionseinschränkungen aus der Strategie sehr wohl ein Risiko für die Landwirtschaft.

Martin Häusling von den Grünen hielt ihm entgegen, dass die Nachfrage nach Bio-Produkten und extensiv erzeugtem und teurerem Fleisch bereits jetzt steige und sich absehbar weiter ausdehnen werde. Die "Farm to Fork"-Strategie böte die Chance, die Überschüsse auf dem EU-Milch- und Fleischmarkt endlich abzubauen, unter denen die Erzeuger so sehr litten, so Häusling.