Klima

EU will mehr für Schutz der Wälder tun

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Ulrich Graf
am Mittwoch, 24.07.2019 - 11:07

Durch bessere Informationen und eine Neuausrichtung von Finanzmitteln will sie die Wälder stärken.

Dafür hat sie gestern eine eigene Strategie beschlossen. Durch nachhaltigeren Konsum innerhalb der EU, gezielte internationale Zusammenarbeit, bessere Informationen und eine Neuausrichtung von Finanzmitteln will sie die Gesundheit der bestehenden Wälder schützen und die Dichte der Flächen erhöhen, die von nachhaltigen Wäldern mit großer biologischer Vielfalt bewachsen sind.

In ihrer heute angenommenen Mitteilung hat die Europäische Kommission fünf Prioritäten festgelegt:

  • Verringerungen des Flächen-Fußabdrucks der EU und Förderung des Verbrauchs von Erzeugnissen aus entwaldungsfreien Lieferketten in der EU;
  • partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Erzeugerländern zur Verringerung des Drucks auf die Wälder und zur Sicherung der Entwicklungszusammenarbeit der EU gegen Entwaldung;
  • Stärkung der internationalen Zusammenarbeit, um Entwaldung und Waldschädigung zu stoppen und die Wiederherstellung der Wälder zu fördern;
  • Neuausrichtung der Finanzierung zur Unterstützung nachhaltigerer Landnutzungspraktiken;
  • Förderung der Verfügbarkeit und Qualität von Informationen über Wälder und Rohstofflieferketten, Sicherung des Zugangs zu diesen Informationen sowie Unterstützung von Forschung und Innovation.

Die Prioritäten im Einzelnen

Die Maßnahmen zur Verringerung des Konsums in der EU und zur Förderung der Verwendung von Erzeugnissen aus entwaldungsfreien Lieferketten werden im Rahmen der Einrichtung einer neuen Multi-Stakeholder-Plattform für Entwaldung, Waldschädigung und Walderneuerung untersucht, die ein breites Spektrum relevanter Interessenträger zusammenbringt. Die Kommission wird auch strengere Zertifizierungsregelungen für entwaldungsfreie Erzeugnisse fördern und mögliche gesetzgeberische Maßnahmen auf der Nachfrageseite und andere Anreize bewerten.

Die Kommission will eng mit den Partnerländern zusammenarbeiten‚ um sie dabei zu unterstützen, den Druck auf ihre Wälder zu verringern, und sie wird dafür sorgen, dass die EU-Politik nicht zur Entwaldung und Waldschädigung beiträgt. Sie wird die Partner dabei unterstützen, umfassende nationale Schutzrahmen für Wälder zu entwickeln und zu verwirklichen sowie die nachhaltige Nutzung der Wälder und die Nachhaltigkeit der forstbasierten Wertschöpfungsketten zu verbessern. Darüber hinaus wird die Kommission in internationalen Foren – wie der FAO, den Vereinten Nationen, der G7 und der G20, der WTO und der OECD – darauf hinwirken‚ die Zusammenarbeit bei Maßnahmen und Strategien in diesem Bereich zu stärken. Die Kommission wird weiterhin dafür sorgen, dass die von der EU ausgehandelten Handelsabkommen zum verantwortungsvollen und nachhaltigen Management globaler Lieferketten beitragen und den Handel mit land- und forstwirtschaftlichen Erzeugnissen, die nicht zu Entwaldung oder Waldschädigung führen, fördern. Die Kommission wird auch Anreizmechanismen für Kleinbauern entwickeln, um Ökosystemdienstleistungen zu erhalten und zu verbessern sowie eine nachhaltige Land- und Forstwirtschaft zu fördern.

Um die Verfügbarkeit und Qualität von und den Zugang zu Informationen über Wälder und Lieferketten zu verbessern, schlägt die Kommission die Einrichtung einer EU-Beobachtungsstelle für Entwaldung und Waldschädigung vor, die Veränderungen der weltweiten Bewaldung und der damit verbundenen Faktoren überwachen und messen soll. Diese Ressource wird öffentlichen Einrichtungen, Verbrauchern und Unternehmen einen besseren Zugang zu Informationen über die Lieferketten verschaffen und sie dazu ermutigen, stärker auf Nachhaltigkeit zu achten. Die Kommission wird auch prüfen, ob das Copernicus-Satellitensystem verstärkt zur Überwachung der Wälder genutzt werden kann.

Die Kommission wird die Neuausrichtung öffentlicher und privater Finanzmittel in den Mittelpunkt stellen, um Anreize für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung und nachhaltige forstbasierte Wertschöpfungsketten sowie für die Erhaltung bestehender und die nachhaltige Sanierung zusätzlicher Waldflächen zu schaffen. Gemeinsam mit den Mitgliedstaaten wird die Kommission Mechanismen prüfen, mit denen potenziell grüne Finanzmittel für Wälder mobilisiert sowie zusätzliche und umfangreichere Finanzmittel aufgebracht werden können.