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Pflanzenschutzmittel

EU-Umweltpaket: Bauern kündigen heftige Proteste an

Josef koch
Josef Koch
am Montag, 08.08.2022 - 09:40

LsV-NRW plant Demonstration am 15. August in Bonn an. Westfälisch-lippischer Bauernverband kündigt „massiven Widerstand“ an.

Bauernprotest-Münster-Lebensmittel

Das geplante EU-Umweltpaket sorgt für mächtig Unruhe unter den Bauern. Nach Angaben des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV) laufen die Bauern in Westfalen-Lippe „Sturm gegen den Plan der EU-Kommission, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der EU weitgehend zu verbieten“.

In den sozialen Medien rufen Vertreter der Organisation „Landwirtschaft verbindet Deutschland (LSVD)“, vor allem aus Nordrhein-Westfalen, für den 15. August 2022 zu einer Demonstration in Bonn vor dem Bundeslandwirtschaftsministerium auf. Wie aus LsV-Kreisen zu hören ist, sollen flächendeckend deutschlandweit Ende August dezentrale Protestaktionen anlaufen.

Im Juni hatte die EU-Kommission einen Verordnungsvorschlag vorgelegt, wonach der Pflanzenschutzmitteleinsatz bis 2030 um 50 % zu verringern ist. Ein komplettes Anwendungsverbot soll es dem Entwurf zufolge für eine Reihe sensibler Gebiete geben.

Köhler: Schlag ins Gesicht der Bauern

Stefan Köhler

Schon damals hatte BBV-Umweltpräsident Stefan Köhler, die EU-Vorschläge „als Schlag ins Gesicht für unsere Bäuerinnen und Bauern“ gesehen.

Die Familienbetriebe in Bayern erhalten mit ihrer Wirtschaftsweise vielfältige Kulturlandschaften und praktizieren Pflanzenschutz nach Schadschwellenprinzipien und damit im Sinne einer Minimierungsstrategie. Freiwillig erbringen sie über Agrarumweltprogramme auf rund 40 Prozent ihrer Flächen besondere Umwelt- und Naturschutzleistungen.

Die Landwirte würden das Brüsseler Vorhaben als Angriff auf die Existenzgrundlagen der heimischen Höfe betrachten. Man sei daher entschlossen hiergegen „massiv Widerstand zu leisten“, heißt es dazu in einer vom WLV veröffentlichten Erklärung.

 

WLV sieht EU-Pläne als moralisch fragwürdig

Verbandspräsident Hubertus Beringmeier bezeichnete die Pläne der EU-Kommission allein schon vor dem Hintergrund der angespannten weltweiten Versorgungslage mit Nahrungsmitteln als „moralisch mehr als fragwürdig“. Nach Einschätzung des Deutschen Bauernverbands (DBV) sind rund 4 Mio. Hektar Ackerland oder rund ein Viertel der deutschen Ackerfläche von schärferen EU-Auflagen betroffen.

Nach sorgfältiger Prüfung der Vorschläge sei jetzt zu erkennen, dass „die Brüsseler Eurokraten“ in sogenannten „sensiblen Gebieten“ ein Totalverbot verhängen wollten. Wie Beringmeier feststellt, würden in Deutschland darunter auch alle Landschaftsschutzgebiete fallen. Dies würde bedeuten, dass es kaum noch Flächen gäbe, auf denen Landwirte - wie bisher - die dringend benötigten Nahrungs- und Futtermittel erzeugen könnten.

Der WLV-Präsident kündigte an, dass die Landwirte dagegen „mit aller Entschlossenheit vorgehen und unseren Protest auch nach Brüssel tragen“ werden.

Mit Material von AgE
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