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EU-Klimapolitik

EU-Strategiepapier enttäuscht Waldbauern

Josef koch
Josef Koch
am Montag, 19.07.2021 - 13:25

Waldbauern kritisieren die EU-Forststrategie massiv. Zu viel Bürokratie, Detailversessenheit und Verfehlen der Klimaziele lauten die Vorwürfe.

von der Leyern-Timmermans-fit for 55

Die Kritik an der EU-Waldstrategie reißt nicht ab. Die EU-Kommission hatte vergangenen Freitag (16.7.) ihr Strategiepapier veröffentlicht. Es ist Bestandteil des Klimapakets „Fit for 55“. „Die Waldeigentümer sind enttäuscht. So könnten keine Wälder der Zukunft geschaffen und die ambitionierten Klimaziele erreicht werden“, moniert die Verbandsspitze der AGDW – Die Waldeigentümer. Statt die Waldeigentümer für die Umsetzung des so wichtigen Green Deal zu motivieren, setze die EU-Kommission in ihrer neuen Waldstrategie auf detailverliebte, ideologisch und einseitig geprägte Vorschriften zur Waldbewirtschaftung und Kontrolle.

In der Waldstrategie würden die Multifunktionalität der Wälder missachtet und die bestehende erfolgreiche nachhaltige Waldbewirtschaftung in Frage stellt, kritisiert Dr. Ivo von Trotha, AGDW-Präsidiumsmitglied. Sie sei nicht ausgewogen hinsichtlich der verschiedenen Funktionen des Waldes und lasse umfassende konkrete Maßnahmen zur Unterstützung des Forstsektors vermissen. Dadurch entstünden massive Zielkonflikte, deren Lösung auf die Waldbesitzer abgewälzt werde. Vor allem vermisst die Vereinigung, eine Beteiligung der Waldbesitzer bei der Erarbeitung dieser neuen EU-Waldstrategie.

Waldbesitzer warnen vor mehr Bürokratie

Bereits in den letzten Wochen gab es intensive Diskussionen um die Strategie. Dabei wurden die zahlreichen Forderungen der Waldbesitzer, des Forstsektors, der Europaabgeordneten und der Mitgliedsstaaten von der EU-Kommission übergangen. So fehlt dem AGDW-Präsidiumsmitglied ein spezielles Kapitel zur Anpassung an den Klimawandel und zu einer angemessenen Finanzierung.

Die Detailversessenheit und die zunehmende Bürokratie der neuen EU-Waldstrategie zeigt sich laut AGDW an Forderungen wie nach einem zusätzlichen Zertifizierungssystem, an der Werbung für das Natura 2000-Logo für Nichtholzprodukte, an Vorschriften zum Maschineneinsatz im Wald.

Der angekündigte neue Gesetzesvorschlag für Waldüberwachung, Berichterstattung und Datensammlung greife nicht nur massiv in die Zuständigkeit der Mitgliedsstaaten ein, er wirft auch Fragen hinsichtlich der Kosten-Nutzen-Relation von Daten auf.
 

Forstwirtschaftsrat sieht Energiewende in Gefahr

Nach Auffassung des Deutschen Forstwirtschaftsrats (DFWR) die Brüsseler Vorschläge unausgewogen und gegensätzlich. Zum einen sollen nach Biodiversitätsstrategie mehr Flächen für die Artenvielfalt aus der forstwirtschaftlichen Nutzung gestellt werden, andererseits wird das Holz als nachwachsende Rohstoffbasis für die Bioökonomie und als Baustoff für das Europäische Bauhaus und die langfristige Kohlenstoffspeicherung benötigt.

„Die erforderliche Energiewende wird ohne eine Wärmewende und dabei vor allem ohne die Holzenergie nicht möglich sein. Dem widerspricht laut DFWR aber der Entwurf zur Erneuerbaren-Energien-Richtlinie (REDII), die ein Verbot von energetischen Nutzung einheimischen Holzes vorsieht.

Die Anrechnung der Holzentnahme als CO2-Schuld in der Landnutzung und Forstwirtschaft (LULUCF) sowie die hohen CO2-Minderungsziele von 310 Mio. t, werden laut DFWR-Präsident Georg Schirmbeck dazu führen, dass die Holznutzung in Europa mittelfristig heruntergefahren werden müsse. „Den benötigten nachwachsenden Rohstoff Holz müssen wir dann aus Nicht-EU-Ländern mit geringeren Standards und einem CO2-Rucksack importieren“, warnt er vor den Folgen. Die EU werde ihre Klimaziele verfehlen, wenn die Forstwirtschaft durch das „Fit for 55 – Gesetzespaket“ auf das Abstellgleis geschoben werden solle.

Die Verbände hoffen nun auf entsprechende Korrekturen durch die Beratungen im EU-Agrarrat und Parlament.