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Forstpolitik

EU-Parlament: Die Waldbauern geopfert

Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 23.09.2022 - 12:00

Selten hat eine Position des EU-Parlaments für so viel Furore und Verwirrung gesorgt. Gemeint ist die Entscheidung der EU-Abgeordneten, künftig die Holzmenge für Energiezwecke zu deckeln. Sollte doch mehr Holz verfeuert werden, um es im Winter warm zu haben, soll das nicht mehr unter erneuerbare Energie laufen. Dann doch lieber mit Gas oder gleich Atomstrom heizen?

Redakteur

Gut, es hätte noch schlimmer kommen können, wenn sich Grüne und Rote im Parlament bei der EEG-Richtlinie durchgesetzt hätten. Die wollten Holz und die Förderung von entsprechenden Biomasseanlagen gleich ganz aus der Liste der Erneuerbaren streichen.

Für die selbsternannten Wald- und Klimaretter sind offenbar Waldbauern der neue Beelzebub, nachdem sie den Tierhaltern den letzten Nerv geraubt haben. Umweltorganisationen und auch etliche Politiker verteufeln Brennholz, weil ja dafür angeblich europaweit die Wälder leergeräumt würden. In manchen EU-Ländern mag das tatsächlich zutreffen, wenn illegale Rodungen stattfinden. Aber muss man dafür gleich alle Waldbauern in Bayern bluten lassen?

Sehr gewagt ist auch die Rolle der konservativen EVP-Fraktion. Am Ende hat sie dem Kompromiss zugestimmt, damit die Trilog-Verhandlungen mit Kommission und Rat starten können. Und wer ist der Fraktionschef der EVP? Richtig: Manfred Weber von der CSU.

Zusammen mit seinen Parteikollegen hofft er nun, dass der Rat in den Verhandlungen den Parlamentsbeschluss beim Holz wieder absorbiert. Doch hätte die EVP hier nicht besser klare Kante zeigen sollen und härter verhandeln müssen?

Gewagte Rolle der EVP

Stattdessen haben EVP und CSU die Waldbauern geopfert, zugunsten der EU-Klimaziele. Dass die Mehrheit der EU-Abgeordneten, auch EVP, bei der EU-Forststrategie auf aktives Bewirtschaften der Wälder pocht, wirkt da lediglich als Lippenbekentnis.