Forststrategie

EU-Kommission: Nächster praxisferner Entwurf droht

Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Donnerstag, 24.06.2021 - 09:03

In einer gemeinsamen Erklärung zur Forststrategie mahnen Verbände: "Es ist an der Zeit die Meinung des Forstsektors zu hören."

Waldbau

Die EU arbeitet gegenwärtig an einer neuen Forststrategie. Sie wird voraussichtlich am 20. Juli veröffentlicht. Der Forstsektor in der EU äußert große Bedenken hinsichtlich des Entwurfs, der derzeit in der Dienststellenübergreifenden Konsultation innerhalb der Europäischen Kommission liegt. Die Ansichten, die der Sektor in den letzten Monaten geäußert hat, seien im Entwurf leider nicht berücksichtigt. Darüber hinausscheinen die Forderungen des Europäischen Parlaments(1) und des Rates(2) zur neuen Strategie übersehen worden zu sein.

Der Forstsektor fordert die Europäische Kommission dringend auf, seine Meinung vor der Veröffentlichung der neuen Forststrategie ernsthaft zu berücksichtigen und wesentliche Änderungen am Entwurf vorzunehmen. Wenn weiterhin die Ansichten der Betroffenen ignorieren werden sollten, bestehe die Gefahr, dass eine Störung des gesamten Wald- und Forstsektors der EU entstehen könnte, weil Millionen von Menschen, die die Wälder bewirtschaften völlig außer Acht gelassen werden. Ein Scheitern der Strategie wäre vorprogrammiert.

Die neue Forststrategie müsse ein Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Funktionen des Waldes zu schaffen.

Was der Forstsektor fordert

  1. Die EU-Forststrategie sollten auf einer gründlichen Bewertung des Ist-Zustands und der Zukunftsaussagen aufbauen. Alle Daten sollen mit den nationalen Statistiken abgeglichen werden. Datenquellen sollten immer erwähnt werden.
  2. Nachhaltige Waldbewirtschaftung und Multifunktionalität sollten weiterhin die Hauptprinzipien der neuen Strategie sein.
    Nachhaltige Waldbewirtschaftungspraktiken (Sustainable Forest Management, SFM), die in EU-Wäldern angewandt werden, zeigen deutlich, dass die ökologischen Funktionen von Ökosystemen, einschließlich der biologischen Vielfalt, in aktiv bewirtschafteten Wäldern zusammen mit der Bereitstellung von Biomasse, Holz, Nichtholzprodukten und anderen Ökosystemdienstleistungen aufrechterhalten werden können, während sie gleichzeitig zur Eindämmung des Klimawandels und zur Anpassung an den Klimawandel beitragen.
    Waldökosysteme sind zunehmend anfällig für verschiedene durch den Klimawandel verursachte biotische und abiotische Belastungen wie Brände, Dürren und Stürme sowie Schädlings- und Krankheitsausbrüche. SFM ist der optimale Weg, um Wälder widerstandsfähig und an den Klimawandel anzupassen, so dass sie zu den Zielen des EU-Green Deal beitragen können.
    Aufgrund der Vielfalt der Wälder und im Gegensatz zu dem, was der Entwurf impliziert, gibt es keine "einheitliche" Möglichkeit, Wälder zu bewirtschaften. Die Forstbewirtschaftungspraktiken spiegeln diese Vielfalt wider und sind in den nationalen und regionalen Rechtsvorschriften gemäß dem Kompetenzverteilungs- und Subsidiaritätsprinzip verankert, das mit den Kriterien und Indikatoren von Forest Europe im Einklang steht. Die Schaffung eines neuen Rechtsrahmens, der ein koordiniertes Forstplanungs- und -bewirtschaftungsinstrument auf EU-Ebene oder die Festlegung von EU-Indikatoren und Schwellenwerten für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung umfassen würde, hätte starke Auswirkungen auf die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder in der EU. Nachhaltige Waldbewirtschaftung und Multifunktionalität sollten weiterhin die Hauptprinzipien der neuen Strategie sein: Nachhaltige Waldbewirtschaftungspraktiken (Sustainable Forest Management, SFM), die in EU-Wäldern angewandt werden, zeigen deutlich, dass die ökologischen Funktionen von Ökosystemen, einschließlich der biologischen Vielfalt, in aktiv bewirtschafteten Wäldern zusammen mit der Bereitstellung von Biomasse, Holz, Nichtholzprodukten und anderen Ökosystemdienstleistungen aufrechterhalten werden können, während sie gleichzeitig zur Eindämmung des Klimawandels und zur Anpassung an den Klimawandel beitragen.
  3. Die Bioökonomie sollte mehr sein als langlebige Holzprodukte und sollte auf einer integrierten Wertschöpfungskette basieren.
    Eine künstliche Priorisierung langlebiger Holzprodukte gegenüber anderen Holzprodukten würde bedeuten, den Waldbewirtschaftungszyklus zu ignorieren sowie die hohe Ressourceneffizienz der gesamten forstwirtschaftlichen Wertschöpfungskette bereits zu nutzen. Wenn die neue EU-Forststrategie eine nachhaltige Bioökonomie in der EU fördern und fördern will, sollte sie logischerweise alle Verwendungen von Holz umfassen, im Einklang mit bereits verabschiedeten europäischen Rechtsvorschriften und vereinbarten Zielen.
  4. Die Unterstützung für Waldbesitzer und -verwalter sollte umfassend sein
    In ihrer Politik in den Bereichen Klimawandel, biologische Vielfalt, Bioökonomie, ländliche Entwicklung und erneuerbare Energien hat die EU sehr ehrgeizige Ziele in Bezug auf Wälder festgelegt. Derzeit ist es vor allem Holz, das die notwendigen Mittel für die multifunktionale Bewirtschaftung der Wälder bereitstellt. Finanzielle Unterstützung und Anreize müssen Hand in Hand mit der Waldbewirtschaftung als Teil der offenen Marktwirtschaft gehen.
    Neue forstwirtschaftliche Politiken dürfen daher die wirtschaftliche Entwicklung der Wälder nicht einschränken und die Arbeitsplätze in diesem Sektor beeinträchtigen. Sie müssen sowohl staatlichen als auch privaten Waldbesitzern und -managern weiterhin finanzielle Unterstützung bei der Verwirklichung ihrer multifunktionalen Rolle gewähren, insbesondere um die Klimaresilienz und Anpassung der Wälder in der EU zu erhöhen. Parallel dazu sollten Zahlungen für andere Ökosystemleistungen als die Holzversorgung entwickelt werden, sofern sie freiwillig bleiben und von speziellen Finanzinstrumenten und einem ausreichenden Budget begleitet werden.
    Politische und gesellschaftliche Unterstützung, die darin besteht, die Erfahrung und das Fachwissen von Waldbesitzern und -managern sowie deren tägliche Arbeit und Anstrengungen anzuerkennen und zu fördern, ist ebenfalls erforderlich.
    Darüber hinaus bedeutet die Unterstützung von Waldbesitzern und -managern, die Komplexität von Wäldern und Wäldern anzugehen, die hauptsächlich in der Vielfalt der Wälder, ihrer Ökosysteme und ihrer Eigentümer und Verwalter liegen. Die dualistischen Erklärungen, die derzeit im Entwurf einer neuen Waldstrategie über die Forstbewirtschaftungspraktiken und die Verbesserung der Bewirtschaftung von Wäldern vorgeschlagen werden, sind das Gegenteil von unterstützend.
  5. Vor der Entwicklung eines neuen Waldzertifizierungssystems sollte eine gründliche Bewertung vorgenommen werden.
    Die Waldzertifizierung in der EU-27 umfasst bereits ca. 78 Mio. ha der gesamten Waldbedeckung der EU. Robuste freiwillige Forstzertifizierungssysteme wie FSC und PEFC verfügen über langjähriges Fachwissen bei der Förderung nachhaltiger Forstbewirtschaftungspraktiken, die auch Ziele der biologischen Vielfalt vor Ort umfassen, und verfügen über strenge Verfahren, um sicherzustellen, dass alle Anforderungen sorgfältig angewendet werden. Daher können bestehende Forstzertifizierungssysteme die Umsetzung von EU-Forstpolitik ergänzen und unterstützen. Darüber hinaus haben sich im Laufe der Jahre freiwillige Forstzertifizierungssysteme entwickelt. Die Prüfung dieser Systeme durch die EU-Organe ist zu begrüßen, da sie dazu beiträgt, sie kontinuierlich zu verbessern.
    Das neue freiwillige EU-Zertifizierungssystem für die Waldbewirtschaftung, wie es im Entwurf vorgeschlagen wird, würde die Gefahr einer Verdoppelung der Anstrengungen und der damit verbundenen Kosten mit sich bringen und zu einer Komplexität der Marktteilnehmer führen, was die bisherigen Anstrengungen sowie das Vertrauen und das Vertrauen, das sie durch die bestehende Zertifizierung erhalten haben, untergraben würde. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass eine zusätzliche Regelung Verwirrung stiftet und die Verbraucher in die Irre führt. Daher würde jede neue Regelung eine gründliche vorherige Bewertung erfordern, um Kosten und Nutzen im Vergleich zu denen zu ermitteln, die bereits von weit verbreiteten bestehenden Systemen bereitgestellt werden, die bereits in der gesamten EU existieren. Anstatt ein neues Zertifizierungssystem zu schaffen, wird die EU-Kommission ermutigt, Kleinerzeuger bei Investitionen in die bestehenden Zertifizierungssysteme zu unterstützen und diese Systeme zu einer weiteren Verbesserung zu ermutigen.