Agrarexport

EU-Kommission hält an Mercosur fest

Josef Koch
Josef Koch
am Freitag, 30.04.2021 - 11:23

Die EU-Kommission lässt beim Mercosur-Abkommen nicht locker. Sie strebt weitere Handelsabkommen an.

WOJCIECHOWSKI-Agrarrat-01-2021

EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski hält das Mercosur-Abkommen für ausgewogen und von Vorteil für die EU. Das machte er beim jüngsten virtuellen Treffen der EU-Agrarminister im April deutlich. Die waren aber weiterhin kritisch. Österreich bekräftigte dabei erneut sein "klares Nein" zum Handelsabkommen.

Das Abkommen biete dem EU-Agrarsektor zusätzliche Absatzmöglichkeiten und schütze die sensiblen Bereiche. Damit es in der EU durchsetzbar sei, verhandle die EU-Kommission mit den Südamerikanern über weitere Zugeständnisse zum Schutz des Regenwaldes, so der polnische EU-Agrarkommissar. Der Mercosur-Vertrag werde überarbeitet und anschließend den EU-Mitgliedstaaten und dem Europaparlament vorgelegt. Das Abkommen mit Mexiko biete dem EU-Agrarsektor ebenfalls zusätzliche Absatzmöglichkeiten und werde den EU-Mitgliedstaaten demnächst zur Abstimmung unterbreitet, kündigte Wojciechowski an.

Fortschritte beim Abkommen mit Chile

In den Verhandlungen der EU um ein Freihandelsabkommen mit Chile vermeldete er Fortschritte. Die Chilenen strebten noch in diesem Jahr einen Abschluss an. In den Gesprächen mit Australien und Neuseeland wolle die EU möglichst viele geografische Angaben absichern, bevor man in die Verhandlungen über die Marktöffnung einsteige, berichtete der Kommissar.

Der Vorteil von Handelsabkommen für den EU-Agrarsektor sei auch wissenschaftlich untersucht worden, argumentierte Wojciechowski und verwies auf die jüngste Studie des Joint Research Centers (JRC). Die Experten gingen davon aus, dass bestehende und geplante Handelsabkommen der EU die Agrarexporte um fast ein Drittel erhöhen können. Die Studie mache allerdings auch auf sensible Bereiche in der Landwirtschaft aufmerksam, die mit Einfuhrkontingenten geschützt werden müssten, schränkte Wojciechowski ein.

Schließlich ginge es darum, die erhöhten Auflagen und Produktionsstandards aus dem Green Deal der EU-Kommission auf dem Weltmarkt abzusichern. In internationalen Gremien wie der G-20 und der Welthandelsorganisation (WTO) müsse verstärkt über nachhaltige Nahrungsmittelketten gesprochen werden. Umweltstandards für die europäischen Landwirte aus der "Farm to Fork"-Strategie dürften durch Billigimporte nicht unterlaufen werden. Die EU werde deshalb in den Handelsabkommen dafür sorgen, dass die Lebensmittelerzeugung neben dem Pariser Klimaabkommen im Nachhaltigkeitskapitel ihren festen Platz bekomme.

Mit Material von aiz