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Agrarimport

EU importiert 13 Prozent weniger Sojabohnen

Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 07.01.2022 - 08:00

Während USA weniger liefern, kommt mehr Ware aus Brasilien. Brüssel plant auch für diese Importe Nachweise über Entwaldungsfreiheit.

Grafik Sojabohnenimporte EU

In den ersten fünf Monaten des laufenden Wirtschaftsjahres 2021/2022 hat die Europäische Union mit rund 5,8 Mio. t Sojabohnen fast 1 Mio. t weniger eingeführt als im Vorjahreszeitraum. Allerdings gab es bei den Lieferanten große Veränderungen. Trotz des Rückgangs bleiben Sojabohnen vor Raps die wichtigste Import-Ölsaat.

Hauptlieferanten für Soja in die EU blieben zwar Brasilien und die USA, das Mengenverhältnis hat sich deutlich Richtung Südamerika verschoben. So kamen vom 1. Juli bis 12.Dezember 2021 rund 3,4 Mio. t aus Brasilien und damit ein Fünftel mehr als im Vorjahreszeitraum. 59 % der Importe stammten somit aus Brasilien, weist die EU-Statistik aus.

Demgegenüber lieferten die USA nur knapp 1,6 Mio. t, 840.000 t weniger als im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Anteil von 27 % an den Sojaimporten der EU-27.

Ein Grund für den deutlichen Rückgang der Lieferungen aus den USA dürften nach Angaben der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (mbH) die Schäden des Wirbelsturms Ida an den Exportterminals am Golf von Mexiko sein, welche die Exporte deutlich erschwerten. Drittwichtigster Lieferant bleibt Kanada mit 639.300 t, gefolgt von der Ukraine mit 104.911 t. Das entspricht einem Anteil von 11 % bzw. knapp 2 %. Den fünften Platz nimmt Uruguay mit 16.530 t ein.

Für Nachhaltigkeit an Biokraftstoffen orientieren

Laut Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e.V. (Ufop) hat die EU-Kommission Ende November 2021 einen Vorschlag vorgelegt, mit dem sie zukünftige Anforderungen an den Nachweis eines entwaldungsfreien Bezuges unter anderem von Soja und Palmöl festlegen will. Die Kommission will damit der öffentlichen Diskussion über die Rohstoff-Herkünfte und die Transparenz der gesamten Warenkette Rechnung tragen.

Nach Auffassung der Ufop sind diese Anforderungen für die Biokraftstoffbranche nichts Neues. Seit 2010 werden entsprechende Anforderungen über die gesetzlich verankerte Nachhaltigkeitszertifizierung umgesetzt. Dabei ist der datierte Nachweis, dass die Fläche bereits vor Januar 2008 als Anbaufläche genutzt wurde, ein besonders wichtiger Parameter.

Mit Blick auf die beginnende Diskussion zur Umsetzung in Deutschland fordert die Ufop, dass der Umfang der Dokumentationspflichten für die betroffene Warenkette im Sinne der Umsetzbarkeit bzw. des Bürokratieaufwandes angemessen bzw. verhältnismäßig sein und sich an der Nachhaltigkeitszertifizierung im Biokraftstoffbereich orientieren müsse.

Sojaschrot schon jetzt nachhaltig

Zu beachten sei, dass bereits nachhaltig zertifiziertes Sojaöl für die Biodieselproduktion und der Import solcher Ware in die EU bereits einen Flächennachweis führen müsse. Die Zertifizierung erfolge unabhängig von der Endverwendung bzw. der Verarbeitungsprodukte der Sojabohne.

Somit sei die entsprechende Sojaschrotmenge folglich im Verfahren inkludiert. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) verfügt laut Ufop damit bereits über umfangreiche Erfahrungen in der Umsetzung, ebenso hat sie eine auch international beachtete Datenbank aufgebaut.

Unterlaufen von Standards verhindern

Damit der Wettbewerb hinsichtlich des Umwelt- und Klimaschutzes fair bleibt, hält die Ufop den grundsätzlichen Regelungsbedarf für nötig. So beruhe der Exportzuwachs im Falle von Brasilien nach Angaben der AMI auf der Nutzung zusätzlicher Flächen, die bisher jedoch mangels Erfassung nicht verortet werden könnten. Dieses Problem sei dank der Fortschritte der Satellitentechnik und des vom BMEL geförderten Projektes Global Risk Assessment Services (GRAS) zwar lösbar.

Allerdings seien Verlagerungseffekte zu befürchten, wenn wichtige Importländer wie China keine analogen Standards für Importe vorgeben. International vereinbarte Nachhaltigkeitsstandards könnten somit unterlaufen werden und Verarbeitungsprodukte würden dann doch sprichwörtlich auf den europäischen Tellern landen. Diese Verlagerungseffekte und hiermit einhergehende Wettbewerbsbenachteiligung müssten vermieden werden, fordert die Interessenvertretung der Ölsaatenanbauer. „Doppelnachweise“ müssten verhindert werden.

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