EU-Agrarpolitik

EU-Agrarreform: Bayerns Biobauern nehmen Özdemir in die Pflicht

Öklolandbau
Josef Koch
Josef Koch
am Dienstag, 07.12.2021 - 15:30

LVÖ Bayern fordert von Özdemir, das Versprechen der Einkommenssicherung einzulösen und bei Ökoregelungen nachzubessern.

Hubert Heigl-LVOE Bayern

Bayerns Biobauern verlangen vom designierten Bundesagrarminister Cem Özdemir dringend Nachbesserungen bei den Ökoregelungen (Eco-Schemes). Am 17. Dezember soll der Bundesrat über die neuen Regelungen zur Agrarreform abstimmen, die ab 2023 für die folgenden fünf Jahre gelten werden. Wenn die Vorschläge der geschäftsführenden Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner in Kraft treten, wird das Biowachstum in Deutschland massiv ausgebremst“, warnt Hubert Heigl, erster Vorsitzender der LVÖ Bayern e.V..

Durch die neuen Ökoregelungen droht ausgerechnet der Ökolandbau auf der Strecke zu bleiben. Dies stünde entgegen allen agrarpolitischen Zielen auf Landes- und Bundesebene, so Heigl. So sinkt die Basisprämie ab 2023 um rund 80 Euro auf etwa 150 €/ha. Konventionelle Betriebe können diese Kürzungen laut LVÖ etwa mit einem einjährigen Verzicht auf Pestizide ausgleichen. Doch Bio-Betrieben, die dauerhaft ohne chemisch-synthetische Pestizide arbeiten, soll die Möglichkeit zur Kompensation in weiten Teilen verwehrt bleiben. „Das wäre eine erhebliche Benachteiligung des Ökolandbaus“, so Heigl weiter.

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Choices

Bis zu 25 % Verlust der Einkommensstützung

Viele Bio-Milchviehhalter in den bayerischen Grünlandregionen können nach Heigls Einschätzung die Anforderungen der aktuell geplanten Grünlandextensivierung mit 1,4 GV/ha nicht einhalten. So könnten diese Betriebe bis zu 25 % ihrer Einkommensstützung verlieren.

Für Bio-Ackerbauern, die ab 2023 vier Prozent Brache einhalten müssen, seien30 Euro/ha für die Teilnahme an der Öko-Regelung „Vielfältige Kulturen“ ein reines Trostpflaster. Der Verlust bei der Basisprämie würde sich immer noch auf 20 % belaufen, rechnet die LVÖ vor.

Die LVÖ fordert, dass alle Ökoregelungen auch für Öko-Betriebe nutzbar sein müssen. Zudem brauchen Ökobauern eine bessere Honorierung der Ökoregelungen Vielfältige Kulturen sowie eine Ausweitung der Maßnahmen für Milchviehhalter in Grünlandregionen.

Flächenziele sind in Gefahr

Özdemir-Cem-Bundesagrarminister

Daher gibt es nicht nur in Bayern, sondern mit der künftigen Bundesregierung nun auch bundesweit das Ziel bis 2030 30% der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschaften zu wollen. „Treten jedoch die aktuellen GAP-Reform-Verordnungen in Kraft, werden diese Ziele kaum erreichbar sein“, mahnt Hubert Heigl.

Die Ampelparteien haben in ihrem Koalitionsvertrag versprochen, unverzüglich das GAP-Reformpaket mit dem Ziel eines besseren Umwelt- und Klimaschutzes sowie der Einkommenssicherung anzupassen. „Dieses Versprechen müssen sie nun einlösen,“ fordert Heigl.

Darüber hinaus verlangt die Landesvereinigung, dass die bisherige Öko-Prämie in der zweiten Säule unter keinen Umständen gekürzt werden dürfe.

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