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Humuswirtschaft

EU-Agrarrat: Naturschützer kritisieren Humuszertifikate

Josef koch
Josef Koch
am Montag, 07.02.2022 - 13:49

NABU fürchten höheren Einsatz von Pflanzenschutzmittel und Nachteile für Naturschutz.

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Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) fordert die EU-Agrarminister auf, den Schutz der Natur in den Mittelpunkt der Carbon Farming Initiative zu stellen, und nicht nur die CO2-Speicherfunktion der Böden. Seit Montag (7.2.) tauschen sich die Landwirtschaftsministerinnen und -minister der EU-Mitgliedsstaaten beim informellen EU-Agrarrat zu Carbon Farming aus.

Dass die EU-Agrarministerinnen und -minister den Erhalt der wertvollen Funktionen der Böden in den Fokus rücken, ist laut NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger ein „erster wichtiger Schritt“. Auch die Initiative der EU-Kommission, einen gesetzlichen Rahmen zur Zertifizierung des CO2-Abbaus zu entwickeln, stimme zunächst einmal optimistisch.

Mehr Pflanzenschutzmittel befürchtet

Solange Carbon Farming jedoch ausschließlich auf einen Emissionsausgleich durch CO2-Zertifikate abziele, könne es nur wenig zur Lösung unserer ökologischen Krisen beitragen. Laut Krüger könnte es die Krisen sogar noch verschlimmern, zum Beispiel, wenn der Kohlenstoff im Boden durch einen stärkeren Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln erhöht werden soll.

Allerdings ist es das erklärte Ziel der EU-Kommission im Green Deal und des deutschen Agrarministers Cem Özdemir, bis 2030 den Einsatz von Pflanzenschutzmittel zu halbieren. So verhandelt man in Brüssel derzeit über neue Meldepflichten für Bauern.

Ganzheitlicher Ansatz gefordert

Damit Carbon Farming sein volles Potenzial für Klima und Natur entfalten kann, brauche es einen ganzheitlichen Lösungsansatz, der nicht nur die Reduktion aller Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft sicherstelle, sondern auch die Regeneration der Ökosysteme, fordert Krüger. Ein freiwilliger CO2-Zertifikatemarkt kann seiner Meinung nach dieser Herausforderung alleine nicht gerecht werden.

Der NABU-Präsident sieht die EU-Kommission ist in der Verantwortung, einen politischen Rahmen zu entwickeln, der Landwirtinnen und Landwirte das nötige Wissen an die Hand gibt und genügend Anreize bietet, die gesamte Bodengesundheit zu fördern.

Was Carbon Farming bedeutet

Carbon Farming hat das Ziel, Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft zu reduzieren und Kohlenstoff aus der Atmosphäre im Boden zu binden, um so der Klimakrise entgegenzuwirken. Aktuell gibt es jedoch kein politisches Instrument, dass Landwirtinnen und Landwirten Anreize für die Kohlenstoffbindung und den Schutz der biologischen Vielfalt bietet.

Bis Ende 2022 möchte die EU-Kommission daher einen EU-Rechtsrahmen für die Zertifizierung des CO 2 -Abbaus vorschlagen. Der französische Landwirtschaftsminister Julien Denormandie möchte - wie er im Januar betonte – während der französischen Ratspräsidentschaft sicherstellen, dass das Thema Carbon Farming in allen Mitgliedsstaaten einen hohen Stellenwert einnimmt.
 

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