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Wolfsmonitoring

EU-Agrarrat: Mehrheit will Wolf-Schutzstatus senken

Totschnig Agrarrat Brüssel26092022
Josef koch
Josef Koch
am Montag, 26.09.2022 - 16:53

17 Länder unterstützen den Vorstoß Österreichs. Deutschland hält sich aber zurück.

Beim heutigen Treffen der EU-Agrarminister in Brüssel (26.9.) fordert eine Mehrheit von 17 Ländern, die 30 Jahre alte EU-Richtlinie zum Schutzstatus des Wolfes anzupassen. Österreich hat mit Unterstützung von sechs Mitgliedsstaaten die Forderung auf den Tisch der EU-Kommission gelegt.

Neben Kroatien, Finnland, Ungarn, Lettland, Rumänien und Slowakei haben darüber hinaus auch Frankreich, Spanien, Italien, Slowenien, Griechenland, Dänemark, Portugal, Estland, Litauen und Belgien die österreichische Forderung in der Rats-Sitzung die Bedenken geteilt. Deutschlands Agrarminister Cem Özdemir konnte sich dazu nicht entschließen.

Eu-weit einheitliches Monitoring verlangt

„Es kann nicht sein, dass die Europäische Kommission dabei zusieht, wie unsere Almwirtschaft bedroht wird, weil ein Raubtier geschützt wird, das längst nicht mehr vom Aussterben bedroht ist“, so Österreichs Agrarminister Norbert Totschnig.

Der Wolf kenne keine Landesgrenzen. Er sei ein europäisches Problem, für das es eine europäische Lösung brauche. Neben einer Anpassung der nicht mehr zeitgemäßen EU-Richtlinie fordert Österreich auch ein europaweit einheitliches, umfassendes und systematisches Monitoring der Beutegreifer.

30 Jahre alter Rechtsrahmen

In einer Note an die EU-Kommission fordert Österreich, den Rechtsrahmen zum Schutz von Beutegreifern auf Aktualität und Praktikabilität zu prüfen. Der Schutz von Beutegreifern ist in der Flora-Fauna-Habitat Richtlinie geregelt. Diese wurde vor 30 Jahren erlassen, als es in Österreich noch keine Wölfe gab.

Für Fälle, in denen Herdenschutz aufgrund von topographischer oder anderer natürlichen Beschränkungen nicht möglich ist, braucht es aus Sicht der 17 EU-Staaten Lösungen und Ausnahmen vom strengen Schutzregime. Außerdem fordern sie die Kommission auf, zusätzliche finanzielle Mittel für Herdenschutzmaßnahmen, Monitoringsysteme und ein Kompensationssystem für Landwirte zu schaffen, falls Nutztiere von Beutegreifern gerissen werden.

Über 17.000 Wölfe in Europa

Europaweit werden derzeit mehr als 17.000 Wölfe verzeichnet, so das Landwirtschaftsministerium. 2021 wurden in Österreich etwa 680 Risse von Nutztieren durch Wölfe dokumentiert. 2020 waren es erst rund 330. In Österreich gibt es ca. 23.800 Betriebe mit Almauftrieb auf mehr als 8.000 Almen, davon über 4.540 mit Behirtung. Der Zuwachs der Wolfspopulation ist enorm, die Zuwachsraten betragen bis zu 30 Prozent.

Die „Large Carnival Initiative“ sagt klar, dass der Wolf nicht mehr vom Aussterben bedroht sei, betont das Ministerium. Auch BOKU Experte Hackländer forderte zuletzt eine Überprüfung der EU-Richtlinie.

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