Nachhaltigkeit

EU-Abgeordnete wollen Sojaimporte erschweren

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 02.07.2020 - 17:11

Der EU-Umweltausschuss plädiert für entwaldungsfreie Sojaimporte. Importeure sollen für fehlende Nachweise haften.

Sojaschrot-Schiff-Import

Der Umweltausschuss im Europaparlament startet eine Initiative zum Schutz von Urwäldern. So sollen Käufer von Soja aus Südamerika dafür haften, wenn die importierte Ware zur Rodung des tropischen Regenwaldes beiträgt. Freiwillige Verpflichtungen und Zertifikate reichten nicht, betonte Berichterstatterin Delara Burkhardt (SPD) aus Deutschland im Umweltausschuss des EU-Parlaments.
Weiterhin werde auf der Welt jährlich Regenwald auf einer Fläche abgeholzt, die der Größe von Belgien entspricht. Einfuhren von Soja, Mais, Rindfleisch und Palmöl in die EU trügen besonders zur Abholzung bei, erklärte Burkhardt.

Flächen müssen seit 2008 frei von Regenwald sein

Deshalb sollen die Importeure zukünftig nachweisen, dass ihre Ware von Flächen stammt, auf denen schon 2008 kein Regenwald mehr stand. Lassen sich die Importeure eine fehlende Sorgfaltspflicht zuschulden kommen, drohen ihnen empfindliche Geldstrafen. Der Initiativebericht des Umweltausschusses soll im Herbst abgestimmt werden. Er ist kein Gesetzgebungsverfahren. Die EU-Kommission will ihrerseits im ersten Quartal 2021 einen Vorschlag zum Schutz des Regenwaldes vorlegen.

Die verschärften Einfuhrregeln mit einer Haftung der gesamten Kette begrüßen Europaabgeordneten im Umweltausschuss überwiegend. Nur einzelne Einwände wurden gemacht. Nicolae Stefanuta von den Liberalen aus Rumänien wies auf die Abhängigkeit der Tierproduktion in der EU von Sojaimporten hin. "Wir lassen den Sektor allein, ohne ihm Lösungen zu bieten", warf Stefanuta in die Debatte ein. Andere Abgeordnete forderten deshalb eine Förderung des heimischen Anbaus von Eiweißfuttermitteln in der EU.

Handelsabkommen nachbessern

Zum Beispiel Martin Häusling, Mitglied des Umweltausschusses. Er fordert die Europäische Kommission auf, die gesetzliche Grundlage für eine verbindliche Sorgfaltspflicht zu schaffen. Nach seiner Auffassung müssen Handelsabkommen verbindliche Vorgaben enthalten: zum Waldschutz, dem Schutz natürlicher Ökosysteme und dem Schutz der Menschenrechte. Handelsabkommen, die solche Vorgaben nicht enthalten, müssten nachgebessert werden, vor allem das zwischen der EU und den südamerikanischen Mercosur-Staaten ausgehandelte Abkommen.

„Zudem muss die EU ihre Abhängigkeit von Sojaimporten verringern. Der EU-Protein-Plan muss umgesetzt werden. Die Tierhaltung in der EU muss flächengebunden sein“, so der grüne EU-Parlamentarier.

Mit Material von aiz