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Ampel-Koalition+++aktualisiert+++

Erste Stimmen zu Cem Özdemir als Bundeslandwirtschaftsminister

Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 26.11.2021 - 16:24

Nach der dicken Überraschung kommen nun Kommentare zum künftigen Bundesagrarminister Özdemir auf.

Özdemir-Cem-Bundesagrarminister

Mit ihrem Schachzug, Cem Özdemir das Agrarressort zu geben, haben die Grünen die Agrarbranche überrascht. Dass er keine Agrarerfahrung hat, sieht Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) nicht als Nachteil.

Dass Cem Özdemir bislang nicht als Sprecher der Landwirtschaft aufgefallen sei, lässt Janßen als Kritik nicht gelten. „Weder Frau Künast, Herr Seehofer, Frau Aigner, Herr Schmidt noch Frau Klöckner waren als Expertinnen und Experten des Ackerbaus und der Tierhaltung bekannt,“ meint der AbL-Geschäftsführer. Viel wichtiger sei doch, ob die verantwortliche Person für das Ministerium mit den Bäuerinnen und Bauern zusammen die zweifellos großen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Herausforderungen anpacken werde. Ein notwendiger Neustart der Agrarpolitik und das Setzen klarer Rahmenbedingungen im Zeichen der Klimakrise stehen laut AbL auf der Tagesordnung.

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AbL sieht politisches Schwergewicht

Zudem würde mit Cem Özdemir nach Janßens Einschätzung ein politisches Schwergewicht ins Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft einziehen.Özdemir war im Europaparlament in Brüssel nach AbL-Auffassung eine wichtige Stimme, er hat 10 Jahre als Parteichef der Grünen die politische Diskussion in Deutschland mit angeführt und hat als Direktkandidat bei den letzten Bundestagswahlen 40 Prozent der Stimmen erhalten.

Da müssen sich die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner, ganz gleich von welcher Seite, warm anziehen,“ ist der AbL-Geschäftsführer überzeugt.

Gegengewicht zu grünen Länderagrarministern?

Überrascht von der Personalie Özdemir als Bundesagrarminister ist auch die Opposition. CSU-Agrarsprecher im Bundestag, Artur Auernhammer, hatte Özdemir nicht auf dem Zettel. Er hofft, dass Özdemir in seinem neuen Amt auch die süddeutsche Brille aufhat und die bäuerliche Agrarstruktur im Blick. Schließlich stammt Özdemir aus dem schwäbischen Bad Urach (Kreis Reutlingen) und kennt die Belange in seiner Heimatregion.

Auernhammer erwartet, dass Özdemir ein Gegengewicht zu den grünen Länderagrarministerin im Osten und Norden Deutschlands ist. So haben diese bei den Agrarministerkonferenzen eine stärkere Umverteilung der Direktzahlungen für kleine und mittlere Betriebe verhindert.

Rukwied: Treffen mit Özdemir geplant

Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands (DBV) will sich bereits in den nächsten mit dem designierten Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir treffen, um gemeinsam Lösungen für die anstehenden Herausforderungen zu entwickeln. Özdemirs Prominenz wertet Rukwied positiv, weil dies auch der Landwirtschaft und ihren Anliegen zugutekommen werde. Der DBV-Präsident bezeichnet Özdemir als pragmatischen Politiker. Verbunden mit dessen baden-württembergischer Herkunft sei dies eine gute Grundlage für eine gedeihliche Zusammenarbeit.

Ausdrücklich begrüßt Rukwied das Beibehalten eines eigenständigen Bundeslandwirtschaftsministeriums. Er gehe davon aus, dass sich beide grün-geführten Ressorts künftig eng abstimmen werden. Erster Ansprechpartner für den Bauernverband bleibe das Landwirtschaftsministerium. Rukwied kritisiert die Ampelpläne, den gesundheitlichen Verbraucherschutz vom Agrar- in das Umweltressort zu übertragen. Dieser Bereich gehöre zu Landwirtschaft und Ernährung.

Kein Schnitzelessen mit Freien Bauern

Die Interessenvertretung der Freien Bauern empfindet es nicht als Nachteil, dass mit dem designierten Landwirtschaftsminister Cem Özdemir ein Fachfremder das Agrarministerium übernehme. Bundessprecher Alfons Wolff verweist auf den Quereinsteiger Seehofer, der nicht der schlechteste Agrarminister gewesen sei.

Wolff bietet Özdemir eine konstruktive und verlässliche Zusammenarbeit an. Mit einem Augenzwinkern schreibt Wolff im Glückwunschschreiben an den Vegetarier Özdemir. „Sie müssen mit uns kein Schweineschnitzel essen. Aber wir würden Ihnen gern erklären, warum eine vegetarische oder vegane Landwirtschaft nicht funktioniert bzw. Verschwendung natürlicher Ressourcen wäre.“

Wolf hofft, dass es Özdemir gelingt, dass Agrarpolitik nicht mehr als gegen die deutsche Landwirtschaft gerichtet empfunden werde, wie es in den vergangenen vier Jahren der Fall gewesen sei.

Sengl verteilt Vorschusslorbeeren

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Die bayerische grüne Agrarsprecherin Gisela Sengl setzt großes Vertrauen in den zukünftigen Landwirtschaftsminister Cem Özdemir, den sie persönlich sehr schätzt. "Er wird die Themen, die in der Landwirtschaftspolitik jetzt anstehen, verantwortungsvoll anpacken und gemeinsam mit der neuen Umweltministerin Steffi Lemke einen guten Weg finden, Landwirtschaft und Umwelt zu beiderseitigem Vorteil zu verbinden," ist Sengl überzeugt.

Sie verspricht, die Grünen in Bayern werden auch künftig alles daran setzen, die vielfältige landwirtschaftliche Struktur zu erhalten. Dafür brauche es eine starke ökologische Landwirtschaft und deren Wertschätzung durch die Gesellschaft.  "Wir werden die landwirtschaftlichen Betriebe auf diesem Weg begleiten und unterstützen," verspricht die Landtagsabgeordnete.

Mit Material von AgE