Entwicklungshilfe

Erfolgreiches Projekt trägt Früchte

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Helga Gebendorfer
am Freitag, 26.11.2021 - 15:37

Eine Delegation aus Westafrika kam ins Haus der Maschinenringe in Neuburg an der Donau. Der Besuch hängt mit einem besonderen Konzept zusammen.

Neuburg-Donau/Obb. Echte Hilfe zur Selbsthilfe. So bringt Erwin Ballis, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Maschinenringe, das Konzept einer besonderen Zusammenarbeit auf den Punkt. Vor zwei Jahren startete eine Entwicklungszusammenarbeit der Maschinenringe mit Landwirten in Westafrika. Seitdem unterstützt der Bundesverband der Maschinenringe senegalesische Landwirte bei der Mechanisierung ihrer Betriebsstrukturen. Kürzlich zog der Bundesverband der Maschinenringe beim Besuch einer Delegation aus dem Senegal im Freistaat eine erste Bilanz der Kooperation.

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Wie Ballis erklärt, leben in Senegal rund acht Millionen Menschen, wobei 80 Prozent in der Landwirtschaft beschäftigt sind. „Wir müssen es schaffen, in die Masse zu kommen. Wir wollen, dass das Land bei den Landwirten bleibt und sie sich selbst helfen können.“ Schlüsselfiguren seien engagierte Menschen vor Ort, die mit Begeisterung bei der Sache sind. „Wichtig für den Erfolgsfaktor ist der Start mit einfachen Ideen, Maschinen und einfacher Technik, die Gemeinschaft und Wirtschaftlichkeit kombinieren.“

Der Maschinenring mache das, was am meisten hilft. Dabei zwingt er nichts auf, sondern hört auf die Nachfrage und bietet Unterstützung an. „Die Menschen treffen selbst die Entscheidung, welche Maschine gebraucht wird. Die Maschinen haben den landwirtschaftlichen Anbau revolutioniert.“ Der Gewinn: Zeitersparnis, Arbeitserleichterung sowie mehr Arbeitsproduktivität und Rentabilität. Eine Familie bewirtschaftet in der Regel 1 bis 2 ha zur Selbstversorgung.

Maschinen haben den Anbau revolutioniert

Das Potenzial zur Erweiterung der Flächen ist aber vorhanden: „In fünf Jahren wollen wir so die Lebens- und Arbeitsbedingungen von einer Million Menschen verbessern“, erklärte Ballis dem Wochenblatt.

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Am Anfang stand die Anschaffung einfacher Getreidemühlen. Mit der Zeit folgten Maschinen und Geräte, die den Menschen die Arbeit enorm erleichtern und zu Produktivitätssteigerungen beitragen. Das bestätigte auch Bernhard Empl, ehemaliger Geschäftsführer beim MR Erding, und jetzt im Ruhestand. Er unterstützt die Aktion in Senegal, besucht die Menschen in ihren Dörfern und bringt ihnen die MR-Idee nahe. „Es ist nicht schwer, sie davon zu überzeugen. Denn damit ist der Grundstein gelegt für große Erleichterungen im Alltag und der Feldarbeit.“

Nach zwei Jahren sind bereits 400 Maschinen im Einsatz und die Hälfte von ihnen hat sich amortisiert. „Die einfachen Maschinen erzielen größte Effekte“, so Empl. Eine finanzielle Förderung gibt es von der Entwicklungsorganisation Sequa und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Mittlerweile sind in Senegal in drei Regionen Maschinenringe aktiv. Dort arbeiten 21 lokale Maschinenringe mit 3000 Mitgliedern zusammen. Bis zum Jahresende sollen weitere 31 Organisationen dazukommen. Zudem sind Sammeleinkäufe von Betriebsmitteln, Sammelverkäufe von Ernteprodukten und die Vermittlung von Arbeitskräften geplant.

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Auch die Ausbildung der Landwirte bildet einen Schwerpunkt, betont Projekt-Mitarbeiterin Maria Maidl. Dabei stehen Technik, Anbauverfahren und Digitalisierung im Mittelpunkt. „Damit möchten wir an den Grundgedanken anknüpfen: möglichst viele Landwirte am technischen Fortschritt teilhaben lassen.“

Das Konzept der Entwicklungszusammenarbeit kommt an. Die Idee der Maschinenringe hat kürzlich den Sprung an die afrikanische Ostküste geschafft. Hier engagiert sich der Bundesverband der Maschinenringe in der Entwicklungshilfe in Kenia. Das Konzept beginne, Früchte zu tragen, betont Ballis.

Wie im Freistaat gearbeitet wird, darüber informierte sich jüngst eine Delegation aus dem Senegal. Begeistert waren die Westafrikaner von der sehr gut organisierten Landwirtschaft in Bayern: „Wir hoffen, das wir eines Tages auch so gut aufgestellt sind.“

Der Wissenstransfer ist ein Motor, um die landwirtschaftliche Produktivität zu steigern. Viele Mitarbeiter der Maschinenringe in Deutschland verfügen über fundierte Auslandserfahrungen. Sie stehen für einen anwendungsbasierten Wissenstransfer von Landwirt zu Landwirt. Mehr Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Die Mechanisierung der Landwirtschaft im Senegal ist zudem eine der Hauptstrategien. Hier sehen Sie ein Video zum Thema: