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Erneuerbare Energie

Energiewende: Heftiger Streit um Holz als erneuerbare Energie

Brennholz-Wald
Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 16.09.2022 - 13:04

Entscheidung des EU-Parlaments zum Holzverbrennen verärgert Waldbesitzer. Der Rat soll nun den Parlamentsbeschluss korrigieren.

Die Entscheidung des EU-Parlaments, die Holznutzung zur Energienutzung einzuschränken, sorgt bei Waldbauern für Unmut. „Wir haben kein Verständnis dafür, dass die Nutzung einer regionalen und erneuerbaren Energiequelle in der jetzigen Situation wesentlich eingeschränkt werden soll“, erklärte Prof. Andreas Bitter, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW).

Die EU-Volksvertreter hatten am Mittwoch (14.9.) in Straßburg zur überarbeiteten Richtlinie der Erneuerbaren Energien (RED III) beschlossen, die Förderung von primärer Biomasse, zu der auch Holz gehört, bis 2030 schrittweise auslaufen zu lassen.

Problem Durchforstungs- und Restholz

Laut AGDW stellt Holz mit 35 % unter den erneuerbaren Energieträgern bisher den größten Anteil bereit; im Wärmebereich sind dies dem Verband zufolge sogar mehr als drei Viertel. Bitter mahnte deshalb, Durchforstungs- und Waldrestholz müsse weiter zur energetischen Nutzung verkauft werden dürfen. „Diese Verwertung ist sinnvoll, bei nachhaltiger Bewirtschaftung CO2-neutral und leistet einen finanziellen Beitrag zur Klimaanpassung unserer Wälder“, betonte er.

Aus Sicht des AGDW-Präsidenten sind auch die geplanten Vorgaben zur Bewirtschaftung des Waldes und die verpflichtende Nutzungskaskade für Holz „weder notwendig noch praxistauglich“. Diese Rangfolge haben die EU-Abgeordneten in ihrer Entschließung zur EU-Waldstrategie gefordert. Danach steht das Holzverbrennen ganz am Ende des Produktionszyklus, alle anderen Arten der Holznutzung sind laut Parlamentswillen vorzuziehen.

Die Waldbewirtschaftung erfolge standortsdifferenziert, so dass allgemeine Vorgaben „in der Regel daneben gehen“, so Bitter. Bereits jetzt werde die Nutzungskaskade automatisch über die Marktpreise umgesetzt. Jedes Holz werde bestmöglich auf der höchsten Stufe vermarktet.

Verbände sehen fatales Signal

Der Geschäftsführer des Bundesverbandes Bioenergie (BBE), Gerolf Bücheler, sprach mit Blick auf die Parlamentsentscheidung zu RED III von einem „fatalen Signal an Wirtschaft und Verbraucher“. In einer Energiekrise ungekannten Ausmaßes würde Holz bis 2030 seinen Status als erneuerbare Energie verlieren. Die Mehrheit des Europaparlamentes ignoriere dabei offensichtlich die Sorgen und Nöte von Millionen Verbrauchern und Unternehmen angesichts stark steigender Energiepreise und Energieknappheit.

Bereits im Vorfeld des Parlamentsbeschlusses hatte der Vorsitzende der Familienbetriebe Land und Forst, Max von Elverfeldt, die Bedeutung von Holz als Quelle der erneuerbaren Energien herausgestellt. Die Bundesregierung wolle zurecht laut Koalitionsvertrag bis zum Ende dieses Jahrzehnts 50 % erneuerbare Wärme erreichen. Dafür wäre es absolut kontraproduktiv, wenn nun auf EU-Ebene die Anerkennung von Holzenergie als erneuerbare Energie und ihre Förderfähigkeit ganz oder teilweise abgeschafft würden, so der Verbandsvorsitzende.

Massive Kritik kommt auch aus Österreich

Kritik kommt auch aus Österreich. Die EU beraube sich damit selbst um einen wertvollen Mitstreiter im Kampf gegen die Klimakrise und einer wichtigen Technologie auf dem Weg zur Klimaneutralität, warnt Rudolf Rosenstatter, Obmann Waldverband Österreich. Zusätzlich werden die durch diese Entscheidung verminderten Einkommensmöglichkeiten der Familienwaldbetriebe bei der Urproduktion auch den Holzmarkt nicht unbeeindruckt lassen. Für ihn ist der Parlamentsbeschluss eine rein ideologische Entscheidung. „Sie ignoriert, dass wir Waldbauernfamilien unsere Wälder laufend verjüngen und klimafit machen“, so der Obmann.

Hoffnung auf Verbesserungen im Trilog

Marlene Mortler MdEP

Auf Nachfrage des Wochenblatts betonte die CSU-Abgeordnete Marlene Mortler, dass „Politik in Europa immer ein Aushanden von Kompromissen“ sei. Sie sieht aber gute Chancen, bei den anstehenden Trilogverhandlungen Verbesserungen für Bayerns Forstwirte zu erreichen. Beispielsweise sind laut Mortler bei der Definition der primären Holzbiomasse Konkretisierungen nötig.

Sie gibt vor allem die Grünen und Linken im EU-Parlament Schuld, wenn Politiker Biomasse aus den natürlichen Kreisläufen verbannen wollen. Allerdings hat Mortlers EVP-Fraktion am Ende dem Kompromiss zugstimmt, damit die Trilog-Verhandlungen starten können.

Nur mit vereinten Kräften habe man bei den Verhandlungen zu RED III im EP-Industrieausschuss (ITRE) Schlimmes verhindern können, beteuert die CSU-Abgeordnete.

Als gute Nachricht aus dem Kompromiss sieht Mortler, dass Holzenergie eine erneuerbare Energie bleibt. Ein Großteil der anfallenden forstlichen Biomasse dürfe weiterhin energetisch genutzt werden.

Auch in Österreich fordern die beiden ÖVP-Abgeordnete Alexander Bernhuber, Umweltsprecher, und Simone Schmiedtbauer, Forstsprecherin, eine Kurskorrektur im Bereich der Biomasse. Dass sich gestern eine Mehrheit gegen den weiteren Ausbau der Biomasse ausgesprochen hat, ist für die beiden unverständlich. Biomasse aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung seit für einen erfolgreichen EU-Green-Deal unerlässlich.

In den anstehenden Verhandlungen mit den Mitgliedstaaten setzen sie sich wie Mortler für weitere Verbesserungen ein. Auch Ulrike Müller (Freie Wähler) will bei den zuständigen Ministern massiv auf Korrekturen drängen.

 

Mit Material von AgE
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