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EU-Parlament

Energiewende: EU-Abgeordnete schränken Holznutzung ein

Josef koch
Josef Koch
am Mittwoch, 14.09.2022 - 15:19

Kleine, regionale Biomassekraftwerke sollen noch möglich sein. Bis 2030 sollen aber andere Erneuerbare Energien ausgebaut werden. Kritik aus Bayern und Österreich.

Hackschnitzel-Biomasse

Bis 2030 sollen nach dem Willen des Parlaments erneuerbare Energien deutlich mehr genutzt und der Energieverbrauch stark reduziert werden. An diesem Mittwoch (14.9.) stimmten 418 Abgeordnete mehrheitlich dafür, den Anteil der erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch der EU bis 2030 auf 45 % zu erhöhen. Dies sieht die Novelle der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED III) vor. 109 EU-Parlamentarier waren dagegen, 111 enthielten sich.

Kachelöfen sollen erlaubt bleiben

Allerdings soll der Anteil von Primärholz als erneuerbare Energie schrittweise sinken. Das löst Entsetzen in Bayern und Österreich aus. Dabei haben nach Wochenblattinformationen auch Unionsabgeordnete für das Einschränken der Holznutzung gestimmt. Danach soll zum Beispiel Durchforstungsholz nicht mehr für die Wämegewinnung hergenommen werden. 

Holzverbrennen in Kraftwerken soll nach dem Willen des Parlaments nicht weiter subventioniert werden. Außerdem sollen die EU-Mitgliedsstaaten den Holz-Anteil an ihrem Erneuerbaren-Mix bis 2030 verringern.

Erlaubt sein soll aber weiter, Kachelöfen mit Holz zu heizen, Pelletheizungen zu nutzen und kleine, regionale Biomassekraftwerke bis 7,5 MW zu betreiben. Holz gilt danach nur als erneuerbar, wenn dessen Elektritzitätsanteil nicht höher als der Anteil am durchschnittlichen Elektrizitätsverbrauch der Jahre 2017 bis 2022 ist.

Nach Ansicht der Grünen ist das industrielle Verbrennen von Holz zur Energieerzeugung alles andere als nachhaltig, „entgegen der lautstarken Behauptungen der Konservativen und Liberalen“. Die Fraktionen haben sich im Europäischen Parlament erbitterte Auseinandersetzungen geliefert beim Ringen um die Einordnung von Holz im Erneuerbaren-Mix.

Im Verkehrssektor soll der Einsatz erneuerbarer Energien zu einer 16-prozentigen Verringerung der Treibhausgasemissionen führen. Erreicht werden soll dies durch einen höheren Anteil an fortschrittlichen Biokraftstoffen und eine ehrgeizigere Quote für erneuerbare Kraftstoffe nicht biogenen Ursprungs wie Wasserstoff.

Damit hat das EU-Parlament, seinen Standpunkt in den bevorstehenden Triolog-Verhandlungen mit dem Rat und der Kommission festgelegt. Waldbauern müssen nun auf den EU-Rat hoffen, ob er Lockerungen beim Einstufen von Holz als erneuerbaree Energie durchsetzen kann.

 

Entsetzen in Bayern und Österreich

Bayerns Forstministerin Micheala Kaniber kann die Entscheidung des EU-Parlaments nicht fassen. Aus ihrer Sicht würde der Einsatz von Waldholz für die Energiegewinnung auslaufen. „Wir stecken in der schlimmsten Energiekrise der europäischen Nachkriegs-Geschichte. Da macht es mich fassungslos, dass das EU-Parlament Waldholz künftig nicht mehr als erneuerbare Energie anerkennen will", so die CSU-Ministerin.

Sie fordert die Bundesregierung auf, mit allem Nachdruck im Europäischen Rat dafür zu sorgen, dass diese "grundfalsche Weichenstellung" eliminiert wird. Zudem soll sich die deutsche Agrarministerkonferenz mit dem Thema befassen. Sie tagt am Freitag (16.9.).

Österreichs Forstmininster Norbert Totschnig hält den Beschluss zum Stopp des Ausbaus nachhaltiger Primär-Biomasse für „weltfremd“. Er will sich in Abstimmung mit der grünen (!) Klimaschutzministerin Gewessler in Brüssel für eine vernünftige Rechtsgrundlage „intensiv“, einsetzen, um eine nachhaltige Waldbewirtschaftung zu ermöglichen.

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