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Erneuerbare Energie

Energiewende: Ist Atomkraft wirklich nachhaltiger als Brennholz?

Josef koch
Josef Koch
am Dienstag, 13.09.2022 - 09:51

EU-Parlament entscheidet, ob Biomasse und Brennholz für die Wärmeerzeugung als nachhaltig gelten sollen.

Scheite

Angesichts der aktuellen Energiekrise ist es kaum zu glauben. Waldbauern können nur den Kopf schütteln. Am Mittwoch (14.9.) stimmen EU-Abgeordnete darüber ab, ob Biomasse, also auch Brennholz, für die Wärmeerzeugung als nachhaltig eingestuft werden soll.

Erst vor kurzem hatte die EU-Kommission in der Taxonomie-Verordnung Atomstrom und Erdgas als grüne Energie akzeptiert.

Im Europaparlament steht am Mittwoch die Abstimmung zur Änderung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (Renewable Energy Directive – RED III) auf der Tagesordnung. Sie ist Bestandteil des EU-Green Deals. Im Zuge von Verhandlungen über die Erneuerbare Energien-Richtlinie steht es auf EU-Ebene zur Debatte, Biomasse nicht mehr als erneuerbare Energieträger anzuerkennen.

Elverfeldt: Brennholz nicht diskriminieren

Max v. Elverfeldt, Vorsitzender der Familienbetriebe Land und Forst, fordert die Mitglieder des Europäischen Parlaments auf, forstliche Biomasse als wichtigen Baustein hin zu einer erfolgreichen Energiewende anzuerkennen und zu stärken.

Holz ist nach seiner Auffassung ein nachwachsender Energieträger und Rohstoff, der Öl, Gas und Kohle ersetzen kann. „Die systematische Diskriminierung von Biomasse aus dem Wald, die wir aus Brüssel und Berlin erleben, schwächt unsere Versorgungssicherheit und unsere Unabhängigkeit.“

Zudem hat die Bundesregierung im Koalitionsvertrag beschlossen, bis 2030 die Hälfte erneuerbare Wärme zu erreichen. Dafür ist es aus Sicht von Elverfeldt absolut kontraproduktiv, wenn nun auf Ebene der Europäischen Union die Anerkennung von Holzenergie als Erneuerbare Energie sowie ihre Förderfähigkeit ganz oder teilweise abgeschafft werden würde. So würde in Deutschland weniger Holz eingeschlagen als nachwachse. Das zeige, dass die Verwendung von Holz als Energieträger nicht zu einer Übernutzung unserer Wälder führe.

Österreich EU-Abgeordnete gehen auf Barrikaden

Proteste kommen auch aus Österreich. „Während einerseits der Ausbau erneuerbarer Energien propagiert wird, will man andererseits einen den wichtigsten erneuerbaren Energieträger in der EU, die Biomasse, nicht mehr als erneuerbare Energie anerkennen. Damit werden die eigentlichen Ziele für mehr Klimaschutz eindeutig konterkariert. Für uns ist klar, Biomasse muss Teil der erneuerbaren Energieträger bleiben“, sagen die beiden Abgeordneten unisono.

„Wir können nicht auf der einen Seite noch ambitioniertere Ziele für Klima und grüne Energie beschließen und auf der anderen Seite zeitgleich die Wald- und Holznutzung im Übermaß reglementieren und beschränken, wie es durch die neue Erneuerbare-Energien-Richtlinie droht“, warnen die österreichischen EU-Abgeordneten Alexander Bernhuber und Simone Schmiedtbauer, beide EVP.

Wälder und Biomasse aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung sind nach deren Meinung der Schlüssel zu einer CO2-neutralen Energieversorgung. Biomasse decke europaweit rund 60 Prozent der Erneuerbaren ab. Ohne Biomasse wird es keinen erfolgreichen EU-Green-Deal geben“, sagt Simone Schmiedtbauer, ÖVP-Forstsprecherin im Europäischen Parlament.

Verlust der Förderung droht

Bernhuber warnt, dass bei Umsetzung der aktuellen EU-Pläne kein Interesse mehr an Ankauf und der Förderung von neuen Biomasseanlagen bestünde. Dies würde sich unmittelbar auf die Biomasse-Produzenten, also die Waldbesitzer, auswirken.

So wird zum Beispiel derzeit für Österreich erwartet, dass bis 2030 der Anteil von erneuerbaren Energien von 34% auf zumindest 46% steigen wird. „Würde Biomasse nicht mehr als erneuerbare Energiequelle gelten, könnte der Anteil von erneuerbaren Energien bis 2030 aber nicht steigen, sondern würde in Österreich auf unter 25% fallen“, so der EU-Abgeordnete.

Biomasse erst „in letzter Sekunde“ ein Thema

Aus Sicht des steirischen Kammerpräsidenten Franz Titschenbacher ist es „völlig unverständlich“, dass derartige Gesetzesvorlagen intransparent und geheimnisvoll vonstatten gehen sollen. So sei bislang in der Energie Richtlinie RED III über einen Rückbau der Wärmegewinnung aus Biomasse war bei den begleitenden Verhandlungen jedoch niemals die Rede gewesen. „Erst in letzter Sekunde wurde diese Thematik aufs Tapet gebracht“, so Titschenbacher.

Zudem warnt er vor einem möglichen EU-Vertragsverletzungsverfahren. „Da Österreich in der Wärmeversorgung stark auf klimafreundliche Biomasse aus Holzreststoffen setzt – der Anteil liegt bei 54 Prozent – drohe Österreich womöglich ein EU-Vertragsverletzungsverfahren“, meint der Kammerpräsident. Der Grund: Österreich würde ohne nachwachsende Reststoffe aus Holz für die Wärmegewinnung die EU-Klimaziele verfehlen.

In einer morgigen Entscheidung legt das EU-Parlament, seinen Standpunkt in den bevorstehenden Triolog-Verhandlungen mit dem Rat und der Kommission fest. Sollte das Plenum Brennholz als nicht nachhaltig einstufen, könnte die Entscheidungen der EU-Rat dies noch korrigieren, sofern gewollt.