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Steuerrecht

Einkommensteuer: Füracker verlangt längere Gewinnverteilung

Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 18.08.2022 - 16:04

Bisherige Regelung zur Tarifglättung läuft Ende 2022 aus. Bayerns Finanzminister verlangt auch eine Risikorücklage.

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Bayerns Finanzminister Albert Füracker fordert von Bundesfinanzminister Christian Lindner, die Gewinnglättung über 2022 hinaus zu verlängern. Gleichzeitig verlangt er eine unbürokratischere Regelung. Füracker schlägt vor, dass Landwirte den Gewinn eines Wirtschaftsjahres auf das laufende Jahr sowie die beiden folgenden Kalenderjahre verteilen können.

Als weitere Entlastungsmaßnahme greift der CSU-Minister eine langjährige Forderung des Bauernverbands auf. So soll der Bund eine Risikoausgleichsrücklage einführen. Damit könnten land- und forstwirtschaftliche Betriebe für schlechte Jahre selbst steuerliche Rücklagen bilden und so vorsorgen. „Zwei sich ergänzende Instrumente – für die Gegenwart und die Zukunft,“ erläutert Füracker. Schließlich hätten Landwirte neben den aktuellen Krisen in besonderer Weise auch immer extremere Wetterbedingungen zu meistern.

Seit 2016 konnten Landwirte die starken natur- und witterungsbedingten Gewinnschwankungen über eine Tarifermäßigung steuerlich ausgleichen. Zum Jahresende 2022 läuft dieses wichtige Instrument allerdings aus. Die bundesweit geltende Tarifermäßigung bei Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft (§ 32c Einkommensteuergesetz) ermöglicht aktuell noch eine ausgeglichene tarifliche Besteuerung. Die Landwirte konnten so ihre Gewinne auf drei aufeinanderfolgenden Wirtschaftsjahre verteilen, der Durchschnittsgewinn dient dabei als Grundlage, um nachträglich den Steuersatz für die vergangenen Jahre zu ermitteln. Bei stark schwankenden Gewinnen kann die Antragstellung zu einer niedrigeren Gesamtsteuerbelastung führen, in Einzelfällen aber auch zu einer höheren. Gute und schlechte Wirtschaftsjahre können so steuerlich untereinander ausgeglichen werden. Die aktuelle Regelung ist nach Auffassung des Bayerischen Ministeriums wirksam, aber mit deutlichem Aufwand für Steuerpflichtige und auch Finanzämter verbunden. „Der vorgeschlagene Ansatz der reinen Verteilung des Gewinns eines Wirtschaftsjahres auf das laufende Steuerjahr und die beiden folgenden vereinfacht die Handhabung für alle Beteiligten und führt zu einer besseren steuerlichen Gewinnglättung“, ist Füracker überzeugt.

Vor allem für Bayerns zahlreiche Familienbetriebe sei eine Anschlussregelung unverzichtbar – sie brauchen dringend Planungssicherheit. Bayern wolle sich daher auf Bundesebene für eine neue, unbürokratische und wirksame Gewinnverteilungsregelung für die Landwirtschaft stark machen, so der CSU-Minister.