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Standpunkt

Das Eigentum der Landwirte schützen

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Philipp Seitz
Philipp Seitz
am Mittwoch, 02.06.2021 - 13:20

Die Bayerische Jungbauernschaft positioniert sich zu Fragen des Klimaschutzes. In der Diskussion um die Wiedervernässung der Moore bezieht sie klar Stellung.

Germering Die Bayerische Jungbauernschaft fordert in der Diskussion um die Wiedervernässung der Moore, dass das Eigentum bäuerlicher Familienbetriebe geschützt bleiben müsse. In dem kürzlich veröffentlichten Positionspapier „Landwirtschaft und Klimaschutz“ heißt es, dass die Bewirtschaftung auf Moorböden für etwa 20 Prozent der klimarelevanten Gase in der Landwirtschaft verantwortlich sei. Es sei klar, heißt es von der Jungbauernschaft, dass Einsparpotenzial vorliegt.

Ortstermin von Ministerpräsident Söder in Langenmosen

Allerdings sehe die Jungbauernschaft die regionale Wiedervernässung des Moores als „große Herausforderung“ an, schließlich hätten viele landwirtschaftliche Betriebe dort ihre Wirtschaftsgrundlage. „Regional sind komplette Betriebe im Moor, welchen nicht die Existenzgrundlage entzogen werden darf.“ Die Moore müssten, sollen sie einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz bringen, zumindest teilweise periodisch wieder vernässt werden. Dies sei nur im Flächenverbund möglich.

Anreize auf freiwilliger Basis schaffen

Deswegen plädiert die Jungbauernschaft „für sinnvolle Anreize auf freiwilliger Basis“. Der Anreiz, beispielsweise durch den Verkauf von CO2-Zertifikaten oder einer finanziellen Unterstützung, müsse dabei so hoch sein, dass eine klimarelevante Leistung den fehlenden Deckungsbeitrag ausgleicht. Die Jungbauernschaft betont allerdings, dass dieses Einkommen der Landwirtschaft zugutekommen müsse, und „nicht aus ihr herausgezogen“ werden dürfe. Wenn Moore wiedervernässt werden, brauche es eine sinnvolle Bewirtschaftungsalternative. Eine Möglichkeit könnten dabei Paludikulturen sein, heißt es von der Bayerischen Jungbauernschaft.

Erst kürzlich hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nach einer CSU-Fraktionsklausur erklärt: „Wir wollen bis 2040 alle Moore saniert haben.“ Wie im Wochenblatt berichtet, hatte der Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses im Landtag, Leopold Herz (FW), darauf hingewiesen, dass die Moore auch Lebensgrundlage unzähliger Landwirte im Freistaat seien. Als Söder vor wenigen Wochen ein Moorschutz-Pilotprojekt im Donaumoos besuchte, protestierten rund 70 Landwirte. Sie befürchten den Aufkauf von Flächen.

Ein Video zum Ortsbesuch von Ministerpräsident Markus Söder in Langenmosen mit Stimmen von betroffenen Landwirten sehen Sie hier: 

BBV-Präsident Walter Heidl erklärte bei dem Ortstermin in Langenmosen, dass beim Klimaschutz die Landwirtschaft Teil der Lösung sei. Das Donaumoos sei nicht nur das größte Niedermoor in Süddeutschland, sondern auch Grundlage der Landwirtschaft in der Region. „Bevor es in die Umsetzung geht, braucht es die für praxistaugliche Konzepte nötige wissenschaftliche Begleitung und vor allem einen Dialogprozess mit den Menschen vor Ort, insbesondere mit den betroffenen Eigentümern und Bewirtschaftern.“ Bauernland müsse in Bauernhand bleiben.

Aktiv zum Schutz des Klimas beitragen

Im Positionspapier der Jungbauernschaft wird außerdem gefordert, die Ansiedlung klimafreundlicher Unternehmen im ländlichen Raum zu fördern. Insbesondere junge Gründer sollten hierbei im Fokus stehen. Es benötige zudem mehr Forschung, um die bei der Tierhaltung entstehenden klimarelevanten Gase zu reduzieren. Landwirte könnten unterstützt werden, wenn hier Technologien weiterentwickelt werden.

Das Fazit der Bayerischen Jungbauernschaft lautet, „dass die Landwirtschaft einen gewissen Teil zum Klimaschutz beitragen kann, eine komplette Eliminierung in diesem Sektor aber nicht realisierbar ist“. Der Weg zu mehr Klimaneutralität sei dabei immer ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag.