Erneuerbare Energie

EEG: Solarwirtschaft sieht deutlichen Verbesserungsbedarf

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 24.09.2020 - 09:46

Sollte die Regierung die EEG-Novelle nicht nachbessern, droht ein Rückbau von Solaranlagen. Das befürchtet die Solarwirtschaft.

Solaranlage-Bauernhof

Die Solarwirtschaft ist mit dem Entwurf des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), das gestern das Bundeskabinett verabschiedet hat, nicht zufrieden. Nach Auffassung des Bundesverbandes Solarwirtschaft e. V. (BSW) droht deutlicher Rückgang des Photovoltaik-Zubaus auf Gebäuden. Gleichzeitig werde der Weiterbetrieb tausender alter Solarstromanlagen nach Ablauf der 20jährigen Förderperiode nicht gesichert.

Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) machte bei der Ressortabstimmung leider kaum Zugeständnisse. „Jetzt sind die Abgeordneten des Bundestages gefordert, einen Solar-Rollback zu verhindern und aus dem vorliegenden Kabinettsentwurf ein Solarbeschleunigungsgesetz zu machen,“ erklärte Carsten Körnig, BSW-Hauptgeschäftsführer.
 

Der BSW verlangt vor allem in drei Punkten deutliche Nachbesserungen.

  • Verzicht auf Pflicht zur Teilnahme an Auktionen
  • Keine EEG-Umlage für Anlagen nach 20 Jahren für selbstgenutzten Strom
  • Keine neuen Auflagen zur Messung und Regelung der Stromerzeugung

So sollte eine Teilnahme an Auktionen und der Verzicht auf Eigenstromerzeugung keine Voraussetzung werden, amit neue Solaranlagen Marktprämien erhalten. Statt einer stufenweisen Absenkung der Bagatellgrenze zur Teilnahme an Auktionen auf 100 Kilowattpeak (kWp) soll diese nach dem heutigen Kabinettsbeschluss von derzeit 750 kWp auf 500 kWp abgesenkt werden.

Für rund 30 Prozent des bisherigen Solardach-Marktes drohe weiterhin die Pflicht zur Teilnahme an Ausschreibungen, so der Verband. Nach Auffassung des BSW ist die gleichzeitige Aufstockung der Auktionsmengen für PV-Dächer wertlos, da die zusätzlichen Auktionsmengen von der förderbaren Solarstromleistung kleiner Solardächer abgezogen werden. Zudem sei fraglich, ob die ausgeschriebenen Leistungen für Solardächer überhaupt erreicht werden. In Frankreich führten Solardach-Auktionen in den letzten Jahren regelmäßig zu einer Unterzeichnung und zu hohen Risikoaufschlägen.

EEG-Umlage für alte Anlagen geplant

Solarstromanlagen, die nach 20 Jahren Betriebsdauer aus der EEG-Förderung fallen (Ü20), sind von der EEG-Umlage zu befreien.

So plant die Regierung, dass Betreiber selbst genutzter Solarstrom – zum Beispiel für das Aufladen eines E-Autos oder den Betrieb einer Wärmepumpe – künftig mit 40 Prozent der EEG-Umlage belegt werden (rd. 3 Cent je Kilowattstunde). Das mache auch die Nachrüstung von Solarstromspeichern in der Regel unrentabel.

Smart Meter bald Pflicht für alle?

Die Solarbranche warnt zudem eindringlich, weitere Auflagen zur Messung und Regelung einzuführen, wie sie der Gesetzesentwurf selbst für kleinste Solarstrommengen unverändert vorsieht.

Der BSW rechnet mit negativen Auswirkungen auf die Photovoltaik-Nachfrage, sollten künftig tatsächlich bereits Solarstromanlagen mit einer Leistung ab 1 Kilowattpeak Smart Meter installieren müssen. Der BSW fordert die Bundesregierung auf, stattdessen Standardlastprofile für Prosumer zu nutzen und bei größeren Solarstromanlagen weiter auf die bewährte Option zur Wirkleistungsreduzierung zu setzen. Dies vermeide erfolgreich Erzeugungsspitzen und mache die Solarstromproduktion für Netzbetreiber und Energieversorger hinreichend vorhersehbar.