Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Lebensmittelhandel

Edeka wirft Anbindehalter raus

Josef koch
Josef Koch
am Dienstag, 11.01.2022 - 17:28

Bei Trinkmilch-Eigenmarken schließt der Handelsriese Haltungsstufe 1 aus. Weitere Milchprodukte sollen folgen.

Edeka-Slogan-Lebensmittel

Wir lieben Lebensmittel, aber nicht wenn sie aus der Anbindehaltung stammen. So sollte Edeka seinen Werbeslogan künftig erweitern, um der Wahrheit näher zu kommen.

So kündigte der Handelsriese an, dass sich „als erste große Lebensmittelhändler Edeka und Netto Marken-Discount zum Ziel gesetzt haben, im Jahresverlauf 2022 das gesamte Trinkmilch-Sortiment ihrer Eigenmarken auf die Haltungsformen 2 oder höher umzustellen“. Künftig soll dieser Schritt auch für weitere Milch- und Molkereiprodukte erfolgen, heißt es in der Pressemeldung. Folge: Die Milch von Anbindeställen verbannt Edeka aus diesen Produkten.

Ab dem Frühjahr 2022 will der Edeka-Verbund alle Trinkmilchprodukte der Eigenmarken Gut&Günstig, Edeka und Edeka Bio schrittweise mit den Haltungsformen 2 (Stallhaltung Plus), 3 (Außenklima) oder 4 (Premium) kennzeichnen.

Verhandlungen über Tierwohlprogramme kurz vor Abschluss

Der Präsident des Bayerischen Bauernverbands (BBV), Walter Heidl, ist verärgert über Edekas Vorhaben: „Den Preis für den Imageverlust durch einen „konsequenten Verzicht der niedrigsten Haltungsform 1“ zahlen die Landwirte – das ist mehr Schein als Sein.“ Der LEH betone immer wieder das Wort „Gemeinsamkeit“. Wenn es drauf ankomme, lebe er es jedoch nicht, rügt Heidl. Er fordert ein Voranschreiten in einem Takt, den auch die kleineren Betriebe mitgehen können.

Laut BBV stehen die Verhandlungen der Tierwohlprogramme für Milch (QM+) und Rindfleisch (Initiative Tierwohl – Rind), geeignet für Haltungsstufe 2 des Lebensmitteleinzelhandels (LEH), kurz vor der Finalisierung. Zwar kündigte Edeka dabei an, an den Programmen teilzunehmen, verzichtet aber gleichzeitig auf die niedrigste Haltungsform 1 bei den Eigenmarken der Trinkmilch.

So hat der Lebensmittelriese bereits bei SB-Schweine- und Geflügelfleisch den Verzicht auf die Haltungsform 1 vollzogen und baut auch nach eigenen Angaben den Anteil höherer Haltungsformen aus. Ebenso stellt Edeka zurzeit auch das Sortiment der tiefgekühlten Eigenmarken-Geflügelprodukte auf Haltungsform 2 oder höher um.

Heidl: Edeka lässt kleine Betriebe im Regen stehen

Nach Auffassung des BBVs lässt ein weiterer Riese besonders die kleinen Betriebe im Regen stehen. Es sind die Betriebe, die bereits heute an freiwilligen Qualitätssicherungsprogrammen teilnehmen, aber die Anforderungen für die genannten Tierwohlprogramme meist aus fehlender Wirtschaftlichkeit und Planungssicherheit nicht erfüllen können. Es sind vor allem auch die kleineren Betriebe mit ganzjähriger Anbindehaltung, die schlagartig nach BBV-Ansicht an den äußersten Rand gedrängt werden. Gerade diese Betriebe, die in der öffentlichen Diskussion immer wieder für so erhaltenswert bezeichnet werden. Diese ließen die Handelsketten einfach fallen, moniert der BBV-Präsident.

Laut Heidl hat sich der Bayerische Bauernverband bei der gemeinsam en Erarbeitung der Tierwohlprogramme QM+ bzw. Initiative Tierwohl - Rind massiv für die kleineren Strukturen in Deutschland stark gemacht. „Der LEH hatte daran leider überhaupt kein Interesse“, so der Bauernpräsident Heidl. Ihn frustriert zudem die fehlende Zahlungsbereitschaft des LEH für Tierwohl. So machte der LEH unmissverständlich klar, dass der Preis für den ursprünglich gemeinsam zusammengestellten Tierwohlkatalog am Markt nicht zu erlösen sei und massiv reduziert werden müsse.

Ihr Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
blw digital iphone blw digital macbook
Hefttitelbild Printausgabe Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt