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Stellungnahme

Düngeverordnung: Wo geändert werden muss

Bayerischer Bauernverband
am Mittwoch, 08.04.2020 - 10:56

Coburger Kreisobmann Martin Florschütz nennt konkrete Punkte.

Flohrschuetz_Martin_Druck_BBV_Coburg

Coburg - Den Referentenentwurf der Düngeverordnung 2020, die zum 1. Januar 2021 in Kraft treten soll, sieht der BBV-Kreisobmann Martin Flohrschütz, Landkreis Coburg, sehr kritisch und praxisfremd. Er lehnt die Verschärfung der Düngeverordnung in der jetzigen Form grundsätzlich ab. „Wir sind offen für Weiterentwicklungen im Pflanzenbau. Für ideologisch motivierte Vorschriften, wie jetzt bei der Düngeverordnung beschlossen, haben wir aber keinerlei Verständnis“, stellt der Kreisobmann klar.

Neben grundsätzlichen Kritikpunkten wie Verbot der Sommerdüngung zu Zwischenfrüchten, Wintergerste und Raps oder eine Düngung von 20 % unter Bedarf in roten Gebieten ist für ihn nicht nachvollziehbar, dass auch zahlreiche allgemeingültige Regelungen massiv verschärft werden sollen.

Die EU-Nitratrichtlinie sieht für rote Gebiete verpflichtende Maßnahmen vor. Für die weiteren Gebiete sei lediglich die gute fachliche Praxis vorgeschrieben, die von den Landwirten auf freiwilliger Basis umzusetzen sei.

Deutschland geht mit der Düngeverordnung bereits heute über diese Vorgabe hinaus. Unter anderem gibt Deutschland vor, dass Landwirte nur maximal 170 kg Stickstoff je Hektar an Wirtschaftsdünger ausbringen dürfen. Eine weitere Verschärfung der allgemeinen Regelungen der Düngeverordnung ist daher unverständlich und steht laut Flohrschütz im Widerspruch zum Koalitionsvertrag der Bundesregierung.

Der Kreisobmann hat aber noch weitere konkrete Punkte, die seiner Meinung nach geändert werden müssen. Er hält vier unterschiedliche Hangneigungskulissen am Gewässerrand mit verschiedenen Vorgaben für zu kompliziert. Seiner Meinung nach sind sie in der Praxis nicht mehr umsetzbar, weil Schläge entlang von Gewässern oftmals auch von verschiedenen Hangneigungsklassen erfasst sein können. „Deshalb lehnen wir die geplante Regelung ab“, so der Landwirt.

Durch das Streichen der Ausbringverluste und gleichzeitig das Anheben der Mindestwirksamkeit von organischen Düngern seien Betriebe gezwungen, weniger organische Dünger einzusetzen und ihre Nährstoffeffizienz um bis zu unrealistische 45 Prozent zu steigern. „Zudem muss die bisherige Einarbeitungsfrist von vier Stunden für Wirtschaftsdünger beibehalten werden,“ fordert der Kreisobmann.

Die geplante schlagbezogene Dokumentation der Düngung muss laut Flohrschütz wie in Österreich grundsätzlich auf Ebene des Betriebes und bis 31. März des Folgejahres erfolgen und nicht wie vorgesehen innerhalb von zwei Tagen nach jeder einzelnen Düngemaßnahme. In jedem Fall müsse bei Weideflächen eine jährliche Zusammenfassung genügen.