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Düngeverordnung: Die Fakten müssen wieder ins Spiel

Sepp Kellerer
Sepp Kellerer
am Donnerstag, 02.04.2020 - 10:43

Wie kann man eine Verordnung verabschieden, die schlichtweg fachlichen Blödsinn enthält?

Chefredakteur Wochenblatt

Die Düngeverordnung ist nun letzten Freitag doch verabschiedet worden, das ist eine Katastrophe. Der Berufstand prüft, ob es erfolgreich sein kann, gegen diese Verordnung zu klagen, das ist absolut gerechtfertigt. Ein Ansatz dabei ist sicherlich, dass die Grundlage für diese Verordnung, die Werte von den Nitratmessstellen – sagen wir es mal vorsichtig – auf sehr wackeligen Beinen steht.

Was im Zusammenhang mit dieser Verordnung an politischen Spielchen getrieben worden ist, das geht auf keine Kuhhaut. Die Bauern haben einen breiten Buckel, aber das halten selbst sie nicht aus. Wie kann man eine Verordnung verabschieden, die schlichtweg fachlichen Blödsinn enthält.

Neu aufsetzen

Aus meiner Sicht sollte man jetzt anfangen, eine komplett neue Düngeverordnung zu konzipieren. Grundlage dafür müssen wissenschaftlich abgesicherte Fakten und pflanzenbauliche Zusammenhänge sein, darauf aufbauend müssen die Maßnahmen identifiziert werden, die wirklich zu einer geringeren Nitratauswaschung führen und dann müssen die Bauern ihre betriebliche Vorgehensweise überprüfen und gegebenenfalls anpassen.

Eines ist dabei aber auch klar, aus der Verantwortung werden die Betriebe dabei nicht genommen. Es ist absolut gerechtfertigt, auf eine gute fachliche Praxis zu pochen, aber die muss man dann auch einhalten.

Gute fachliche Praxis

Die gute fachliche Praxis sollte auch beim Mähen der Wiesen die oberste Maxime sein. Der Paragraph, den uns das Volksbegehren im letzten Jahr ins Naturschutzgesetz diktiert hat, ist dabei absolut nicht hilfreich. Aber damit wurde der Wildtierschutz nicht völlig neu auf Gesetzesebene gehoben. Auch das Tierschutzgesetz spielt da mit rein – und das nicht erst seit gestern.

Alois Glück, der Moderator beim Runden Tisch zum Volksbegehren, hat die Problematik früh erkannt und eine eigene Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Wir haben ihn zu den Ergebnissen und zu deren Gewicht befragt. Und wir hoffen, dass damit für Sie die Dinge klarer werden. Aus der Verantwortung werden Sie auch hier nicht entlassen.

Verantwortung übernehmen, das ist auch das Stichwort in der aktuellen Coronakrise. Die Landwirtschaft tut das, das zeigen die Betriebe, bei denen wir uns umgehört haben. Beim Rest der Bevölkerung scheint es im Moment auch zu funktionieren. Hoffen wir, das das so bleibt und wir uns bald wieder frei bewegen können.