EU-Nitratrichtlinie

Düngeverordnung: BDM lehnt Lieferstreik ab

Josef Koch
Josef Koch
am Mittwoch, 01.04.2020 - 07:50

Trotz Verärgerung über die Düngeverordnung rät der BDM von einem Lieferstopp ab. Bauern sollten die Coronakrise nicht für wirtschaftliche Eigeninteressen nutzen.

Melkstand-Melkzeug

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter erteilt den Überlegungen von Landwirten eine klare Absage, die als Reaktion auf die Bundesratsentscheidung zur Düngeverordnung umgehend die Ablieferung von Agrarprodukten wenigstens teilweise einstellen wollen.

Eine derartige Maßnahme in der aktuellen Corona-Krise, in der die Gesellschaft mit existenziellen Ängsten zu kämpfen hat, sei weder angebracht noch zielführend. Noch weniger, wenn hierbei ein Zusammenhang mit der Novellierung der Düngeverordnung hergestellt werde, stellt BDM-Vorsitzender Stefan Mann klar.

„Die Zwangslage und Notsituation, in der sich die ganze Gesellschaft befindet, jetzt zu nutzen, um die eigenen wirtschaftlichen Interessen mit Drohgebärden durchsetzen zu wollen, ist schlicht nicht akzeptabel, auch wenn das Anliegen der Bäuerinnen und Bauern nach kostendeckenden Preisen beispielsweise auch immer berechtigt ist.“

 

Bauern brauchen mehr Marktgewicht

Was in diesen Zeiten nach Ansicht des BDM noch einmal deutlich wird, ist die Systemrelevanz und die gesellschaftliche Bedeutung einer flächendeckenden Landwirtschaft für die Versorgung der Bevölkerung. Diese Bedeutung muss mit entsprechenden politischen Entscheidungen unterstützt und mit einer Änderung der Ausrichtung der Agrarmarktpolitik untermauert werden, wenn die ganz akute Situation der Corona-Krise vorbei ist und die Gesellschaft sich neu sortiert.

Unter einer geänderten Agrarmarktpolitik versteht der BDM-Vorsitzende Mann nicht die komplette Abkehr vom Export, sondern das Schaffen von Wettbewerbsbedingungen, die den Erhalt der Ernährungssouveränität aller Nationen vor die Profitinteressen multinationaler Konzerne der Ernährungsindustrie stellt.

Die Marktstellung der Erzeuger muss laut Mann gegenüber der Verarbeitungsindustrie entscheidend verbessert und gestärkt werden. Es müssen die Marktrahmenbedingungen geschaffen werden, damit gewinnbringende Verkaufserlöse für die Agrarprodukte erzielt werden können, mit denen Betriebe eine Zukunftsperspektive erhalten und die künftigen Herausforderungen bewältigen können. .