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Düngerversorgung

Düngerpreise: Union warnt Regierung vor Tiefschlaf

Özdemir-Schlaf
Josef koch
Josef Koch
am Samstag, 19.11.2022 - 09:45

Bundesagrarministerium sieht im kommenden Jahr keinen Engpass am Düngermarkt. Schon viel Dünger kontrahiert.

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Einen Engpass bei Düngemitteln erwartet die Bundesregierung im kommenden Jahr nicht. Allerdings wagt sie aufgrund der Volatilität keine Prognose über die Düngerpreise. Aufgrund des aktuellen Rückgangs der Gaspreise seien die Düngemittelpreise Mitte Oktober wieder leicht gesunken, jedoch blieben sie auf hohem Niveau.

„Wie sich im Jahresverlauf 2023, die auf internationalen Märkten gebildeten Preise, entwickeln werden, ist zurzeit nicht absehbar“, antwortete das Bundeslandwirtschaftsministerium auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion von CDU/CSU. Engpässe bei der Verfügbarkeit von Düngemitteln im Jahr 2023 sind nach derzeitigem Stand nicht zu erwarten.

Bis zu 60 % des Düngers schon kontrahiert

So bestehen laut Bund für die kommende Anbauperiode bereits Lieferverträge über einen erheblichen Anteil des Jahresbedarfs an Stickstoffdüngemitteln. Diese Branchenangaben variierten zwischen 30 und 60 Prozent. Danach waren im bisherigen Jahresverlauf alle gängigen Düngemittel zu jeder Zeit lieferbar, auch wenn sich die Lieferzeiten zum Teil erheblich verlängert hatten.

BML rechnet mit höheren Risiken

Allerdings räumt sie durchaus ein, dass vor allem konventionell wirtschaftende Marktfruchtbetriebe aufgrund der hohen Düngerpreise kurzfristig mit Ertrags- und Qualitätseinbußen rechnen müssen. In ihrer Antwort verweist das BML darauf, dass die Bauern mittelfristig auch mehr Feldfrüchten mit geringerem Stickstoffbedarf anbauen könnten. „Ob und in welcher Ausprägung diese Situation tatsächlich eintreten wird, ist insbesondere vom konkreten Witterungsverlauf für das Erntejahr 2023 und den Erwartungen an erzielbare Erträge und Preise für pflanzliche Erzeugnisse abhängig“, heißt es in der Antwort. Insgesamt sei bei diesen Betrieben von höheren wirtschaftlichen Risiken bei der pflanzlichen Produktion auszugehen.

Geplanter Abwehrschirm soll entlasten

Allerdings rechnet die Ampel-Regierung damit, dass die geplante Strom- und Gaspreisbremse auch zu Kostenentlastungen bei der Düngerindustrie führen werde. Ein Aufbau einer nationalen oder europäischen Reserve für Düngemittel lehnt die Regierung ab. Dies würde aus Sicht des Bundes eher die düngernachfrage zusätzlich anheizen.

Offen lässt der Bund, ob er sich in Brüssel weiter für ein Aussetzen der Antidumping-Zölle für Ammoniak und Harnstoff. Vor kurzem hatte die EU-Behörde deutlich gemacht, an den Antidumping-Maßnahmen zum Schutz der Düngerhersteller festzuhalten.

Stegemann: Ampel muss aus Tiefschlaf aufwachen

Für die Opposition sind die Antworten unbefriedigend. Albert Stegemann, Agrarsprecher der en CDU/CSU-Bundestagsfraktion, warnt davor, dass Landwirtschaftsminister Cem Özdemir erneut ein aktuelles Thema verschlafe. „Die Ampel ist gut beraten aus ihrem agrarpolitischen Tiefschlaf aufzuwachen,“ startet Stegemann schon mal einen Weckruf.

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