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Wettbewerbsrecht

Düngerpreise: Kommission lockert Anti-Dumpingzölle

Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 21.07.2022 - 11:56

Brüssel will Importzölle für Düngergrundstoffe aussetzen. EU-Bauernverbände fordern weitere Maßnahmen.

Harnstoff_spritzen

Die EU-Kommission bewegt sich bei den Antidumpingmaßnahmen für Stickstoffdünger, wenn auch nur etwas. So hat die Generaldirektion Handel entschieden, die Importzölle für einige Düngemittel-Grundstoffe wie Harnstoff und wasserfreies Ammoniak auszusetzen. Die Zollsätze betragen für Ammoniak 5,5% und für Harnstoff 6,5%. Über den Verordnungsvorschlag muss aber noch der Ministerrat beraten.

Die europäischen Bauern- und Genossenschaftsverbände (Copa/Cogeca) sehen darin aber nur einen „ersten Schritt“. Diesem müssten aber logischerweise weitere folgen. So müssten auch die Zölle auf fertige Düngemittel wie Ammoniumnitrat (UAN), Diammonphosphat (DAP), Monoammonphosphat (MAP) oder NPK-Mehrstoffdünger ausgesetzt werden.

Zudem seien die Anti-Dumping-Maßnahmen gegen UAN-Einfuhren aus den USA sowie Trinidad und Tobago aufzuheben. Nur derart beherzte Maßnahmen könnten den Düngemittelmärkten zu mehr Dynamik verhelfen und die von den Landwirten zu zahlenden Preise langfristig wieder herunterbringen, sind die Organisationen überzeugt.

Seit Herbst letzten Jahres hatte die EU-Kommission angekündigt, die Anti-Dumpingmaßnahmen zu überprüfen. Auch der Agrarausschuss des EU-Parlaments drängt seit längerem, die Düngerzölle aufzuheben.

USA haben ihre Antidumpingmaßnahmen gestoppt

Das Beibehalten der Zölle auf gebrauchsfertige Düngemittel sichert nach Auffassung der beiden Organisationen nur den Schutz von Wettbewerbsvorteilen der Düngerhersteller in der EU, verbessert  die Lage der Landwirte aber nicht. So hat die US-Regierung erst kürzlich ihre Anti-Dumping-Maßnahmen gegen Düngereinfuhren wie aus Trinidad und Tobago aufgegeben, weil diese Importe die US-Düngerindustrie nicht treffen.

Copa/Cogeca sehen daher für europäische Landwirte einen Wettbewerbsnachteil gegenüber ihren amerikanischen Kollegen. Die EU-Kommission müsse daher rasch handeln, verlangen die Dachverbände.

Gefahr von Düngerengpässen

Seit 2021 sind Europas Bauern mit einem noch nicht dagewesenen Anstieg der Preise für Stickstoffdünger konfrontiert. Der Krieg Russlands mit der Ukraine hat zu weiteren Verwerfungen geführt. Diese Länder sind wichtige Exporteure am Weltmarkt, die EU beziehe 43% ihrer Düngerimporte von dort.

Damit sind Landwirte einem doppelten Risiko ausgesetzt, neben großen Preissteigerungen drohen ihnen nun auch noch Versorgungsengpässe. Dies führe nicht nur zu sinkenden Einkommen, sondern gefährde auch die Lebensmittelversorgung der EU und die globale Versorgungssicherheit, warnen die Dachverbände.
 

 

Mit Material von aiz