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Düngemittelmarkt

Düngerpreise: Industrie hält an Zöllen und hohen Preisen fest

Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 01.10.2021 - 13:37

Die Düngemittelhersteller wehren sich gegen ein Aussetzen der Antidumpingzöllen. Lieber kürzen sie die Produktion, um die Preise hoch zu halten.

N-Dünger-Kalkammonsalpeter

Trotz der gestiegenen Energiepreise und teuren Preisen für CO2-Zertifikate im Emissionshandel fordern die Düngemittelhersteller, die EU-Antidumpingzölle dennoch nicht auszusetzen. Die im Industrieverband Agrar e. V. (IVA) und Fertilizers Europe organisierte Düngemittel-Industrie appelliert an die Bundesregierung und die EU-Kommission, eine ausreichende Versorgung mit bezahlbarem Erdgas mit hoher Priorität sicherzustellen. 

Der IVA reagiert auf eine Forderung des Deutschen Bauernverbands, wonach die EU-Kommission die 2019 verhängten Antidumpingmaßnahmen aussetzen müsse. Dafür soll sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier in Brüssel stark machen.

Laut IVA lassen sie eine betriebswirtschaftlich vernünftige Erzeugung von Ammoniak derzeit nicht zu, denn Folgeprodukte wie Stickstoffdünger sind bereits auf einem hohen Preisniveau, und Kostensteigerungen können nur sehr begrenzt an die Endkunden weitergegeben werden. Dies habe bereits zu Produktionskürzungen bei Ammoniak im In- und Ausland geführt, so der IVA.

Wettbewerbsverzerrungen bestehen weiterhin

Die EU hatte handelsrechtliche Maßnahmen gegen unfaire Handelspraktiken von Herstellern aus Drittstaaten wie Russland oder Trinidad und Tobago  erlassen. Aus Sicht der Industrie besteht die unfaire Subventionierung von Erdgas für Produzenten in diesen Ländern weiterhin und benachteiligt europäische und deutscher Hersteller. Der Nachteil verschärft sich durch die weiter steigenden Kosten für Erdgas, Logistik und durch klimapolitische Maßnahmen. "Die hohen Düngemittelpreise sind auf diese Aspekte zurückzuführen“, kommentiert Dr. Sven Hartmann, Leiter der Fachbereiche Pflanzenernährung und Biostimulanzien im IVA.

Um eine Treibhausgas-neutrale Produktion zu erreichen und CO2-freien, grünen Ammoniak zu produzieren, müssen ausreichende Mengen an grünem Wasserstoff verfügbar sein und Produktionsanlagen umgebaut werden. Dies kann nur gelingen, wenn die Hersteller die notwendigen Investitionskosten erwirtschaften können und nicht durch einen ungleichen Wettbewerb aus dem Markt verdrängt werden, heißt es.